Bei Siemens Energy prallen derzeit zwei völlig verschiedene Welten aufeinander. Auf der einen Seite warnt die britische Großbank Barclays vor dem Ende des Booms und stuft die Aktie auf „Underweight“ herab. Analyst Vlad Sergievskii ist überzeugt, dass das lukrative Geschäft mit Gasturbinen seinen Zenit bald überschreitet. Nach einem erwarteten Rekord-Cashflow im Jahr 2026 dürfte sich die Nachfrage spürbar normalisieren. Zudem liege das aktuelle Bestellvolumen der letzten Monate deutlich über dem langfristigen globalen Bedarf.

Milliarden-Deal im Wüstenstaat

Die Realität auf dem Parkett liefert prompt das passende Gegenargument. Der Energieriese hat sich im Oman einen gigantischen Großauftrag für die Kraftwerksprojekte Misfah und Duqm gesichert. Siemens Energy liefert dafür Gas- und Dampfturbinen sowie Generatoren mit einer satten Gesamtleistung von fast 2,6 Gigawatt. Ein starkes Signal für die Zukunft: Die Anlagen sind bereits für den umweltfreundlichen Wasserstoffbetrieb vorbereitet und sichern über langfristige Serviceverträge planbare Einnahmen. Brückentechnologien bleiben also ein echter Kassenschlager.

Starke Ratings und Milliarden-Rückkäufe

Auch abseits des Nahen Ostens steht das fundamentale Fundament stabil. Die Ratingagentur S&P hob die Bonität jüngst auf „BBB+“ an, da die Profitabilität konzernweit anzieht. Besonders erfreulich ist, dass die krisengebeutelte Windkrafttochter Siemens Gamesa noch in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen soll. Um das Vertrauen der Anleger zu stärken, läuft zudem ein massives Aktienrückkaufprogramm. Bis Herbst 2026 fließt eine Milliarde Euro in eigene Anteile, bis 2028 sollen es sogar bis zu sechs Milliarden Euro werden.

Die Ruhe vor dem Sturm

Der Aktienkurs atmet nach der Barclays-Studie zwar etwas durch, liegt mit rund 153 Euro aber im langfristigen Vergleich immer noch komfortabel im Rennen. Die relative Ruhe am Markt trügt allerdings, denn der nächste echte Gradmesser wartet schon. Am 5. August 2026 veröffentlicht der Konzern seine mit Spannung erwarteten Zahlen zum dritten Quartal.