Der Blick auf den Aktienkurs des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten Nel ASA zeichnet seit Wochen ein düsteres Bild: Der Trend zeigt steil nach unten. Das Papier notiert aktuell bei rund 0,19 Euro – fast 50 % unter dem 52-Wochen-Hoch von Mai (0,3655 Euro). Da auch der 200-Tage-Durchschnitt von 0,214 Euro unterschritten wurde, ist der Abwärtstrend intakt. Der RSI liegt bei 37 Punkten und nähert sich der überverkauften Zone unterhalb der 30er-Marke. Das weckt Hoffnungen auf eine Gegenbewegung. Bricht der Kurs jedoch unter die Haltemarke von 0,18 Euro ein, droht ein Absacken auf 0,12 bis 0,15 Euro.
Prall gefüllte Auftragsbücher, aber rote Zahlen
Fundamental zeigt der Konzern ein gespaltenes Bild. Im zweiten Quartal schoss der Auftragseingang zwar um 224 % auf 230 Millionen norwegische Kronen nach oben und trieb den Auftragsbestand auf 1,2 Milliarden Kronen. Gleichzeitig sank der Umsatz jedoch um 12 %. Eine Vergleichszahlung an den japanischen Partner Iwatani drückte das EBITDA auf -155 Millionen Kronen. Finanziell bietet die Cash-Reserve von 1,3 Milliarden Kronen noch Puffer für einige Quartale.
Hoffnungsträger und Führungswechsel
Ein großer Hoffnungsträger ist die neue Elektrolyseur-Plattform der PA-Serie. Sie soll die Kosten für Anlagen um bis zu 60 % senken. Unterstützt von einer EU-Förderung über 135 Millionen Euro plant Nel, die Fertigungskapazität in Herøya bis Ende 2026 auf 500 Megawatt auszubauen. Für Unsicherheit sorgt jedoch die Chefetage: CEO Håkon Volldal verlässt das Unternehmen, und ein Nachfolger ist bislang nicht in Sicht.
Einschätzung der Marktbeobachter
Nach Ansicht von Analysten und Marktbeobachtern steht der Wasserstoffwert vor einer Richtungsentscheidung. Der nahende überverkaufte Bereich beim RSI signalisiert zwar kurzfristiges Erholungspotenzial, die fundamentale Unsicherheit durch schrumpfende Umsätze und die vakante Chefposition mahnt jedoch zur Zurückhaltung. Erst wenn die Schlüsselmarke bei 0,18 Euro nachhaltig verteidigt wird oder die Zahlen im Oktober neue Impulse liefern, sehen Experten wieder eine verlässlichere Basis für den Einstieg.
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