Nvidia ist mit knapp 180 Euro gestern noch relativ stark aus dem Handel gegangen. Die Notierungen sind weiterhin im Aufwärtstrend, allerdings waren die Vorzeichen ausgerechnet für gestern spektakulär. Die Quartalszahlen kamen nach Handelsschluss. Die Überraschung: Gewinn und Umsatz sind erneut stärker als gedacht. Mit gut 96 Mrd. Dollar konnte Nvidia seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppeln!

Nvidia: Gute Zahlen, gutes Geschäft

Rund 119 Milliarden Dollar an Lieferzusagen bilden für Nvidia bereits eine außergewöhnlich große Basis für die kommenden Jahre. Gleichzeitig verbreitert der Konzern sein Geschäft über einzelne KI-Beschleuniger hinaus und baut zusätzliche Bereiche auf, die von der Investition ganzer Staaten und Unternehmen in umfassende KI-Recheninfrastruktur profitieren.

Ein zentraler Baustein ist Sovereign AI. Japan, Kanada und die Vereinigten Arabischen Emirate investieren in eigene nationale Rechenkapazitäten, aus denen Nvidia inzwischen rund 30 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Gegenüber dem Vorjahr hat sich dieses Volumen nach den vorliegenden Angaben verdreifacht und reduziert die Abhängigkeit von einigen wenigen großen US-Cloud-Konzernen.

Auch Networking hat im Geschäftsjahr 2026 bereits 31 Milliarden Dollar Umsatz beigesteuert. Mit der Massenproduktion der Spectrum-X-Ethernet-Photonics-Plattform setzt Nvidia auf einen Ethernet-Switch mit Co-Packaged Optics, der den Stromverbrauch in Netzwerken senken und die Signalqualität verbessern soll. CoreWeave, Oracle und Lambda nutzen entsprechende Lösungen bereits.

Nvidia: Es entscheidet sich nun alles

Ergänzend zum großflächigen Blackwell-Rollout arbeitet Nvidia bereits an Rubin, das Ende 2026 erscheinen soll. Die nächste Architektur soll eine 3-Nanometer-Fertigung und HBM4 einsetzen. Der vorherige Übergang auf Blackwell erforderte allerdings Designnachbesserungen, wodurch der anstehende Architekturwechsel zusätzliche technische Anforderungen mit sich bringt.

AMD versucht in diesem Umfeld Marktanteile auszubauen. Die Instinct-GPUs des Konkurrenten gewinnen bereits in Sovereign-AI-Projekten in Südkorea und den Vereinigten Arabischen Emiraten an Bedeutung. Verzögerungen bei Rubin oder Probleme in der 3-Nanometer-Fertigung könnten AMD zusätzliche Chancen eröffnen.

Ein zweiter Risikoblock entsteht durch Wettbewerbsprüfungen. Das US-Justizministerium und die französische Autorité de la Concurrence untersuchen mögliche Probleme bei der Bündelung von GPUs und Netzwerk-Hardware sowie bei der Nutzung der CUDA-Softwareplattform. Bislang liegt keine Feststellung eines Wettbewerbsverstoßes vor.

Sollten die Behörden später Einschränkungen bei der Preissetzung durchsetzen, träfe das auf ein Geschäft mit aktuell rund 75 % Bruttomarge. Gerade die Verbindung aus hoher Profitabilität, wachsendem Networking-Geschäft und einer tieferen Einbindung in komplette Rechenzentren rückt deshalb auch die Frage in den Mittelpunkt, wie weit Nvidia Hardware und Software künftig gemeinsam vermarkten darf.

Der durchschnittliche Analystenkonsens nennt bislang unverändert ein Kursziel von gut 302 Dollar und damit ein theoretisches Potenzial von 39,4 % (unabhängig vom Dollar- oder Euro-Raum).