ABB greift wieder zu. Der Schweizer Technologiekonzern übernimmt den französischen Spezialisten Advantics. Damit baut ABB sein Portfolio für Gleichstrom-Anwendungen deutlich aus.
Der Deal zielt auf drei Wachstumsmärkte: Rechenzentren, industrielle Mikronetze und Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Alle drei Bereiche brauchen effiziente Stromwandlung. Genau hier setzt Advantics an.
Silicon-Carbide-Technologie im Zentrum
Advantics entwickelt Stromrichter auf Basis von Silicon-Carbide-Halbleitern. Diese Technologie schafft deutlich höhere Energieeffizienz als herkömmliche Lösungen. Laut Unternehmensangaben erreichen die Systeme einen Wirkungsgrad von bis zu 99 Prozent.
Für ABB passt der Zukauf in eine größere Rechnung. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der Stromanteil am weltweiten Energieverbrauch bis 2035 auf rund 36 Prozent steigt. Wer dann Umwandlungsverluste zwischen Wechsel- und Gleichstrom minimiert, spart Kosten und Energie zugleich.
Drei Segmente im Visier
Die Integration von Advantics soll ABBs Position in mehreren Bereichen stärken:
- Rechenzentren: Effizientere Gleichstrom-Architekturen senken den Energieverbrauch.
- Industrielle Mikronetze: Bessere Steuerung dezentral erzeugter Energie.
- EV-Infrastruktur: Leistungsstärkere Bauteile für Schnellladestationen.
ABB will die Übernahme im vierten Quartal 2026 abschließen. Über den Kaufpreis schweigen beide Seiten. Nach Abschluss wandert Advantics in die Division „Smart Power“.
Aktie nähert sich altem Hoch
Die Börse honoriert den Schritt. ABB notiert aktuell bei 92,04 Euro, ein Plus von 0,70 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht ein Kursgewinn von 45,63 Prozent zu Buche.
Damit bleibt ABB einer der stärksten Werte im Industriesektor. Der Kurs nähert sich seinem 52-Wochen-Hoch von 96,36 Euro, das der Titel erst am 22. Juni 2026 markiert hatte. Aktuell fehlen nur 4,48 Prozent bis dahin.
Der RSI von 51,0 zeigt eine neutrale Marktlage ohne Überhitzung. Die annualisierte Volatilität von knapp 37 Prozent verrät allerdings: Ruhig ist es an dieser Aktie derzeit nicht.
In den kommenden Wochen dürfte ABB die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorlegen. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer weiteren Verbesserung der operativen Marge. Der Advantics-Deal liefert bis dahin schon mal ein Signal: ABB baut sein Effizienz-Geschäft gezielt weiter aus.
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