ABO Energy hat einen weiteren Teil seines Projektportfolios verkauft. Wie das Windkraft-Journal berichtet, vollzog das Unternehmen KB Renewables den Erwerb der Projektgesellschaft für den Windpark Großenlüder in Hessen sowie der Projektrechte für vier zusätzliche Anlagen von ABO Energy. Der Verkauf dient laut Bericht der kurzfristigen Liquiditätssicherung des Wiesbadener Projektentwicklers.

Zweiter Verkauf binnen weniger Wochen

Der Deal mit KB Renewables ist nicht der erste dieser Art in jüngster Zeit. Bereits am 19. Juli hatte Encavis das Repowering-Windprojekt Marpingen im Saarland mit 12 Megawatt Leistung von ABO Energy übernommen, ebenfalls zur Stützung der Liquidität des Verkäufers. Das Muster wiederholt sich damit innerhalb weniger Wochen: ABO Energy trennt sich von Projektrechten, um kurzfristig Kapital freizusetzen, statt Projekte selbst bis zur Baureife oder zum Betrieb zu führen.

Für Anleger ist diese Entwicklung nicht überraschend. Bereits im Mai hatte das Management die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 gestrichen. Ein positives Konzernergebnis erwartet die Führung nicht mehr, die Rückkehr zu einem positiven EBITDA wird nun erst für 2027 projektiert. Verkäufe wie jener an KB Renewables oder zuvor an Encavis erscheinen vor diesem Hintergrund als naheliegender Weg, die Kassenlage zu stabilisieren, während größere Bauvorhaben noch keine Erträge liefern.

Gründerfamilien haften mit eigenen Aktien

Wie stark die Liquiditätslage das Unternehmen unter Druck setzt, zeigt eine weitere Meldung aus dem Mai: Die Gründerfamilien Ahn und Bockholt verpfändeten rund 1,86 Millionen Aktien als zusätzliche Sicherheiten für Kreditlinien der Gesellschaft. Ein solcher Schritt bindet die persönliche Vermögenslage der Gründer enger an den Fortbestand der Finanzierungsstruktur und unterstreicht, wie eng der Handlungsspielraum des Managements derzeit bemessen ist.

Der Aktienkurs reagierte zuletzt dennoch positiv. Am Donnerstag schloss das Papier bei 3,60 Euro, ein Plus von 7,78 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Zuwachs von 6,51 Prozent zu Buche, während sich der Kurs auf 30-Tage-Sicht mit einem minimalen Rückgang praktisch unverändert zeigt. Die Marktkapitalisierung liegt bei 30,57 Millionen Euro – ein Wert, der die Dimension der laufenden Restrukturierung durch Projektverkäufe in Relation setzt. Automatisierte Kennzahlen wie ein RSI von 47,1 deuten dabei auf keine ausgeprägte Über- oder Unterbewertung hin und liefern für sich genommen keinen Hinweis auf die fundamentale Lage.

Termine geben Orientierung

Anleger richten den Blick nun auf zwei anstehende Termine. Am 13. August findet die ordentliche Hauptversammlung statt, bei der Aktionäre Gelegenheit haben dürften, das Management zur Verkaufsstrategie und zur Liquiditätslage zu befragen. Bereits Ende August, am 31., folgt die Veröffentlichung des Halbjahresberichts 2026. Dieser dürfte erstmals konkreter zeigen, wie stark sich die Projektverkäufe der vergangenen Wochen bilanziell niederschlagen und ob die gestrichene Gewinnprognose damit ausreichend abgesichert ist. Bis dahin bleibt die Kombination aus Liquiditätsverkäufen, verpfändeten Gründeranteilen und einer für 2026 abgesagten Rückkehr in die Gewinnzone das bestimmende Bild für die Aktie.