ABO Energy trennt sich in schneller Folge von weiteren Projekten und Beteiligungen. Der Wiesbadener Projektentwickler für erneuerbare Energien setzt seine Strategie fort, Vorhaben nach Genehmigung an Käufer weiterzureichen, statt sie selbst zu betreiben.

Windparks und Wasserstoff-Hub wechseln den Besitzer

Vattenfall übernahm ein bereits genehmigtes 43-Megawatt-Windprojekt in Dittelsheim-Heßloch von ABO Energy und verbindet es mit einem benachbarten Vorhaben zu einem gemeinsamen Windpark. Wenige Tage zuvor hatte Perigus Energy Deutschland die Rechte an drei 7-Megawatt-Windenergieanlagen im Windvorranggebiet Rother Stein bei Olpe erworben.

Auch im Wasserstoffgeschäft zieht sich ABO Energy aus einem operativen Projekt zurück: Tyczka Hydrogen übernahm den H2-Hub im hessischen Hünfeld. Die Anlage produziert bereits zertifizierten grünen Wasserstoff für Busse und Lkw und umfasst Elektrolyseur, Tankstelle sowie eine Trailer-Abfüllung. Damit verkauft ABO Energy nicht nur Planungsrechte, sondern eine bereits laufende Infrastruktur.

Diese Verkäufe reihen sich ein in den vor rund einem Monat gemeldeten Verkauf der polnischen und ungarischen Landesgesellschaften an PPC S.A., der dem Unternehmen seither einen Kursrückgang von 4,6 Prozent eingebracht hat.

Zusammen mit der ebenfalls vor rund einem Monat verlängerten Stillhaltevereinbarung, nach der die Aktie um 6,5 Prozent nachgab, zeigt sich ein Muster: ABO Energy monetarisiert systematisch Projekte und Töchter, offenbar um Liquidität zu sichern.

Neues Wachstumsprojekt in Finnland

Parallel zu den Verkäufen treibt ABO Energy neue Vorhaben voran. Mit der finnischen Stadt Oulu unterzeichnete das Unternehmen eine Kooperationsvereinbarung zur Weiterentwicklung der Genehmigung für eine große grüne Wasserstoffanlage.

Die geplante Elektrolysekapazität soll in bis zu drei Entwicklungsphasen auf bis zu 600 Megawatt ausgebaut werden. Berichten zufolge sollen im Rahmen des Projekts auch Optionen für synthetisches Methanol und e-SAF geprüft werden.

Zudem unterstützte ABO Energy ein Forschungsprojekt des ZSW zur praktischen Erprobung eines mobilen Anti-Kollisionssystems für Windenergieanlagen, indem das Unternehmen einen geeigneten Standort bereitstellte und die Kommunikation mit den Betreibern übernahm.

Kurs bleibt unter Druck

Die Aktie schloss am Freitag bei 3,35 Euro, ein Minus von 1,0 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 10 Prozent, was die anhaltende Skepsis der Anleger gegenüber der Verkaufsstrategie widerspiegelt. Der RSI von 46,3 signalisiert weder Über- noch Unterverkauft-Zustände, während die annualisierte Volatilität von 58 Prozent auf erhebliche Kursschwankungen hindeutet.

Die parallele Entwicklung – Verkauf bestehender Projekte bei gleichzeitigem Ausbau neuer Großvorhaben wie in Oulu – wirft für Anleger die Frage auf, ob ABO Energy tatsächlich Kapital für Wachstum freisetzt oder primär kurzfristige Liquiditätsengpässe überbrückt. Die Marktkapitalisierung von aktuell 31,44 Millionen Euro lässt darauf schließen, dass der Markt bislang eher Letzteres einpreist.