Das Schweizer Biopharma-Unternehmen AC Immune hat gestern positive vorläufige Daten aus der klinischen Phase 1 für seinen Wirkstoffkandidaten ACI-19764 veröffentlicht.

Der oral einzunehmende NLRP3-Inhibitor, der zur Behandlung von entzündungsbedingten neurodegenerativen und kardiovaskulären Erkrankungen entwickelt wird, erreichte in der Studie an gesunden Probanden seine Sicherheitsziele. Damit unterstreicht das Unternehmen seine Ambitionen, neue Therapieansätze gegen chronische Entzündungsprozesse im Gehirn und im Gefäßsystem zu etablieren.

Sicherheit und Gehirngängigkeit im Fokus

In den sogenannten SAD- und MAD-Kohorten (Single Ascending Dose und Multiple Ascending Dose) wurde der Wirkstoff in Dosierungen von bis zu 20 Milligramm pro Tag getestet. Medienberichten zufolge erwies sich ACI-19764 dabei als sicher und allgemein gut verträglich. Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Ein entscheidender Durchbruch für das Forschungsprogramm ist die bestätigte Penetration der Blut-Hirn-Schranke. Die Messung der Wirkstoffkonzentration in der Zerebrospinalflüssigkeit belegte, dass die Substanz in das zentrale Nervensystem gelangt.

Die Daten zeigen zudem eine dosisabhängige Hemmung des Entzündungsmarkers IL-1β. Analysen ergaben, dass bereits therapeutische Dosen von 10 Milligramm oder weniger ausreichen, um die erforderliche pharmakologische Wirkung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Mit einer Halbwertszeit von mehr als 30 Stunden deutet der Wirkstoffkandidat auf ein Profil hin, das eine einmal tägliche Einnahme ermöglicht.

Start der nächsten Studienphase

Aufbauend auf diesen Ergebnissen hat AC Immune bereits mit der Dosierung in einer Phase-1b-Kohorte begonnen. Diese Gruppe umfasst Patienten mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko, die zusätzlich an Typ-2-Diabetes oder Adipositas leiden und erhöhte Werte des C-reaktiven Proteins (hsCRP) aufweisen. Ziel ist es, die entzündungshemmende Wirkung in einer klinisch relevanten Patientenpopulation weiter zu untersuchen.

Das Unternehmen plant, erste Zwischenergebnisse dieser kardiovaskulären Kohorte noch vor Ende des laufenden Jahres vorzulegen. Die Veröffentlichung der vollständigen Daten aus der kombinierten Phase 1/1b wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet.

Für die langfristige Pipeline des Unternehmens stellt dieser Fortschritt eine wichtige Validierung des NLRP3-Programms dar, da Entzündungsprozesse als wesentliche Treiber bei Erkrankungen wie Alzheimer gelten.

Analystenlob und Marktreaktion

Die Analysten von Jefferies bezeichneten die vorliegenden Ergebnisse als eine ermutigende Validierung für den Forschungsansatz von AC Immune. Die Fähigkeit des Wirkstoffs, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, gilt in Fachkreisen als wesentliches Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen Entzündungshemmern in der Entwicklung, da viele Konkurrenzprodukte Schwierigkeiten haben, im zentralen Nervensystem wirksame Konzentrationen zu erreichen.

An der Börse wurde die Nachricht mit einer gewissen Zurückhaltung aufgenommen. Die Aktie von AC Immune schloss gestern im deutschen Handel bei 2,14 Euro, was einem Rückgang von 2,9 Prozent entspricht.

Trotz der positiven klinischen Signale notiert das Papier damit aktuell rund 42 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 3,66 Euro. Auf Jahressicht verzeichnet der Titel hingegen ein Plus von 18 Prozent, was die Erwartungshaltung des Marktes hinsichtlich der klinischen Fortschritte widerspiegelt.