Schwaches Wachstum im Kerngeschäft trifft auf massive Investitionen. Bei Accenture stehen die Zeichen auf Umbruch. Der IT-Dienstleister verfehlt die eigenen Umsatzziele. Das Management greift nun tief in die Tasche, um Aktionäre zu beruhigen und neue Märkte zu erschließen.

Umsatzziele verfehlt

Im dritten Geschäftsquartal setzte Accenture 18,7 Milliarden US-Dollar um. Analysten hatten mit etwas mehr gerechnet. Das operative Ergebnis lag bei knapp 3,2 Milliarden US-Dollar. Ein Hauptgrund für die Delle ist der anhaltende Nahostkonflikt.

CEO Julie Sweet macht geopolitische Spannungen direkt für den Rückschlag verantwortlich. Der Konflikt kostete das Unternehmen rund 100 Millionen US-Dollar Umsatz. Bei den Auftragseingängen fehlen sogar etwa 400 Millionen US-Dollar. Diese Belastungen dürften laut Management auch im vierten Quartal anhalten.

Als Konsequenz senkt der Vorstand die Jahresprognose. Das Unternehmen erwartet nun ein Umsatzwachstum zwischen drei und vier Prozent. Zuvor lag die Obergrenze noch bei fünf Prozent.

Die Aktie spürt diesen Gegenwind deutlich. Zwar notiert das Papier aktuell bei 115,85 Euro und stabilisiert sich leicht. Seit Jahresbeginn brach der Kurs jedoch um fast 48 Prozent ein. Mit einem RSI von knapp 36 nähert sich der Titel der überverkauften Zone.

Milliarden für Cybersicherheit

Um sich gegen die Flaute im Beratungsgeschäft abzusichern, kauft Accenture aggressiv zu. Das Ziel: kritische Infrastruktur schützen. Für 4,18 Milliarden US-Dollar übernimmt der Konzern die Mehrheit an Dragos. Der Spezialist sichert Stromnetze und Fabriken gegen KI-gesteuerte Cyberangriffe ab.

Zusätzlich integriert Accenture die Sicherheitsfirmen runZero und NetRise. Marktbeobachter werten dies als strategische Neuausrichtung. Der Markt für diese speziellen Sicherheitslösungen soll bis 2031 massiv wachsen.

Parallel dazu versucht das Management, den Aktienkurs zu stützen. Der Vorstand stockt das bestehende Aktienrückkaufprogramm um zwei Milliarden US-Dollar auf. Damit stehen für Rückkäufe insgesamt 7,5 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Der freie Cashflow stieg im abgelaufenen Quartal leicht auf 3,6 Milliarden US-Dollar an.

Gegenwind für die Branche

Accenture steht mit seinen Problemen nicht allein da. Die gesamte IT-Branche leidet unter der Zurückhaltung amerikanischer und europäischer Kunden. Hohe Logistikkosten und wirtschaftliche Unsicherheit bremsen Investitionen aus.

Analysten bewerten die Lage gemischt, sehen aber noch Potenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 179 US-Dollar. Erreichen lässt sich dieses Niveau allerdings nur unter einer klaren Bedingung. Das neue Sicherheits- und KI-Geschäft muss die aktuellen Einbußen im klassischen Beratungsgeschäft zügig ausgleichen.