OpenAI dringt in das Kerngeschäft der IT-Beratung vor. Die Gründung einer eigenen Beratungseinheit durch den KI-Pionier setzt Branchengrößen wie Accenture massiv unter Druck. Anleger fürchten um das klassische Geschäftsmodell der abrechenbaren Stunden.

Der Auslöser für die Unruhe ist der Start der „OpenAI Deployment Company“. Parallel dazu übernahm das Unternehmen den KI-Spezialisten Tomoro. Die Accenture-Aktie reagierte mit einem Abschlag von bis zu 4,5 Prozent und markierte bei 146,90 Euro ein neues Jahrestief.

Angst vor der Automatisierung

Im Markt wächst die Skepsis gegenüber personalintensiven Dienstleistern. Wenn autonome Systeme künftig weite Teile der Dokumentation übernehmen, wandelt sich eine große Belegschaft schnell vom Vorteil zum Kostenfaktor. Marktbeobachter sehen hier ein Risiko für das bisherige Honorarmodell.

Analysten der UBS halten dagegen. Sie bestätigen ihr „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 320 Dollar. Die Experten betonen die enorme Skalierbarkeit des Branchenprimus. Die Übernahme von Tomoro umfasst lediglich 150 Ingenieure—eine marginale Zahl angesichts der weltweit über 700.000 Mitarbeiter von Accenture.

Umbau unter Hochdruck

CEO Julie Sweet reagiert mit einer tiefgreifenden Umstrukturierung. Das Unternehmen bricht alte geografische Hierarchien auf. Es richtet sich konsequent auf KI-basierte Prozesse aus. Beförderungen innerhalb des Konzerns sind mittlerweile fest an den Nachweis von KI-Kompetenzen geknüpft.

Die Bewertung der Aktie hat sich massiv ermäßigt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 14 notiert das Papier weit unter dem historischen Durchschnitt von 28. Seit Jahresbeginn hat der Titel bereits knapp 34 Prozent an Wert verloren.

Accenture muss nun beweisen, dass die eigene Transformation schneller Früchte trägt als die Angriffe der neuen Konkurrenz. Die Diskrepanz zwischen Rekord-Aufträgen im KI-Segment und der schwachen Kursentwicklung prägt das aktuelle Bild.