Drei Meldungen binnen einer Stunde, drei unterschiedliche Baustellen: AeroVironment baut sein Verteidigungsgeschäft gerade an mehreren Fronten gleichzeitig aus – bei der Drohnenabwehr, bei autonomer Schwarmtechnik und im eigenen Aufsichtsgremium. Für Anleger lohnt sich der Blick auf das Gesamtbild.
Titan MS bekommt Verstärkung
Teledyne FLIR Defense liefert künftig sein Argus-XL-System an AeroVironment – als Baustein für die Titan-MS-Plattform zur Drohnenabwehr. Der Auftrag läuft über den bestehenden, dreijährigen IDIQ-Rahmenvertrag mit einem Volumen von 500 Millionen Dollar, den AeroVironment als Alleinanbieter für die Joint Interagency Task Force 401 hält. Konkret geht es um das „Domestic Shield“-Programm, das kritische Infrastruktur und Militärstandorte in den USA vor unbemannten Luftfahrzeugen schützen soll.
Argus XL bringt Radar sowie optische und Infrarot-Sensorik mit und soll auch kleine und mittelgroße Drohnen rund um die Uhr erfassen können. Für AeroVironment ist das ein weiterer Baustein im wachsenden Counter-UAS-Geschäft, das sich zunehmend als tragende Säule neben den klassischen Loitering Munitions etabliert.
Schwarmtechnik für Mayhem 10
Parallel dazu hat AeroVironment mit Applied Intuition eine strategische Kooperation vereinbart. Die Software Acuity ISR/Strike des Sunnyvale-Partners soll in das Mayhem-10-System integriert werden und dort autonome Schwarmfunktionen ermöglichen – mehrere Einheiten sollen Ziele gemeinsam aufspüren, verfolgen und unter Aufsicht eines einzelnen Operators angreifen können. Die Kooperation unterstützt direkt das „Launched Effects“-Programm der US-Armee und soll über kurze, mittlere und lange Reichweiten skalierbar sein. Ein erster Demonstrationslauf an mehreren Standorten habe die Integration bereits validiert.
Wechsel im Board
Weniger strategisch, aber für die Governance relevant: Stephen F. Page verlässt nach 13 Jahren den Aufsichtsrat von AeroVironment. Er tritt bei der Hauptversammlung 2026 nicht mehr zur Wiederwahl an. CEO Wahid Nawabi würdigte Page als „steady hand“ während der Transformation vom reinen UAS-Anbieter zum breiten Verteidigungstechnologiekonzern mit Weltraum-, Cyber- und Energiewaffen-Sparten.
Für AeroVironment zeigt der Tag exemplarisch, wie sich das Geschäftsmodell verbreitert: weg vom Einzelprodukt, hin zu vernetzten Systemen aus Sensorik, Autonomie-Software und Wirkmitteln. Wie sich diese Diversifizierung in den kommenden Quartalszahlen niederschlägt, dürfte für die Bewertung der Aktie entscheidender sein als einzelne Auftragsmeldungen.
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