Airbus sichert sich gleich mehrere Anschlussprojekte auf einmal. Aus Kanada kommen frische Milliardenaufträge, und auch beim stockenden FCAS-Kampfjetprojekt tut sich etwas.

Kanada öffnet die Geldbörse

Die kanadische Regierung hat Verträge im Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Kanadischen Dollar – umgerechnet rund 940 Millionen Euro – vergeben, um die neue Flotte der CC-330 Husky einsatzbereit zu halten. Das Mehrzweckflugzeug basiert auf dem A330 MRTT von Airbus und kann im Flug andere Maschinen betanken sowie Truppen, Fracht und Verwundete transportieren. Neben zwei Verträgen an L3Harris MAS erhält auch Airbus direkt einen der Aufträge.

Ottawa verfolgt damit gleich mehrere Ziele gleichzeitig: die Modernisierung der Royal Canadian Air Force, den Aufbau der heimischen Rüstungsindustrie und die Erfüllung der NATO-Vorgabe von zwei Prozent des BIP für Verteidigungsausgaben – ein Ziel, das Kanada jahrelang verfehlt hatte. Die drei Verträge sollen bis zu 720 direkte Arbeitsplätze in Quebec, Ontario und Alberta schaffen und jährlich 90 Millionen Kanadische Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern.

FCAS: Letzte Chance für den Kampfjet

Parallel dazu versucht Berlin, das festgefahrene europäische Kampfjetprogramm FCAS zu retten. Bundeskanzler Friedrich Merz hat den früheren Krauss-Maffei-Wegmann-Chef Frank Haun als Vermittler eingesetzt. Haun soll gemeinsam mit dem französischen Rüstungsexperten Laurent Collet-Billon einen neuen Kompromissvorschlag zwischen Dassault und der Militärsparte von Airbus ausarbeiten.

Haun gilt als prädestiniert für diese Aufgabe: Er hat die deutsch-französische Fusion von KMW und dem französischen Panzerbauer Nexter maßgeblich gestaltet. Collet-Billon kennt er gut – beide arbeiteten damals auf verschiedenen Seiten desselben Verhandlungstisches. Ob das Duo den Streit zwischen den Industriepartnern auflösen kann, bleibt die entscheidende Frage für die Zukunft eines der ambitioniertesten Rüstungsprojekte Europas.

Für Airbus steht beim FCAS viel auf dem Spiel. Ein Scheitern wäre nicht nur ein Rückschlag für die Militärsparte, sondern auch ein Signal an künftige Kooperationspartner.