Airbus Defence and Space hat heute beim International Space Summit in Paris den ersten Vertrag zur Entwicklung und zum Bau der ersten IRIS²-Satellitentranche unterzeichnet. Der Auftrag kommt von Eutelsat, das im SpaceRISE-Konsortium für das Low-Earth-Orbit-Segment der europäischen Satellitenkonstellation verantwortlich zeichnet. Damit rückt Airbus ins Zentrum eines der größten europäischen Rüstungs- und Raumfahrtprojekte der kommenden Jahre.
Mindestens 66 Satelliten für 2029
Der Vertrag umfasst mindestens 66 Satelliten der ersten IRIS²-Schicht, die militärische Ka-Band-Konnektivität für europäische Nutzer bereitstellen sollen. Airbus übernimmt Bau und Integration der Plattformen in Toulouse, wo das Unternehmen bereits OneWeb-Satelliten für Eutelsat fertigt.
Die Nutzlasten steuert Thales Alenia Space bei, ein Gemeinschaftsunternehmen von Thales und Leonardo. Die Auslieferung der ersten Satelliten ist für 2029 geplant, eine zweite Schicht mit 264 weiteren Satelliten soll ab 2030 folgen und wird von Aerospacelab mit Plattformen ausgestattet.
Zum Vertragswert des Airbus-Anteils machte das Unternehmen keine Angaben. Thales Alenia Space bezifferte seinen eigenen Auftragsanteil an der Nutzlastfertigung auf rund 500 Millionen Euro innerhalb eines Gesamtvertragsvolumens von über 3 Milliarden Euro.
IRIS² soll insgesamt 348 Satelliten umfassen – 330 in niedriger Erdumlaufbahn und 18 in mittlerer Höhe – und Europas Anspruch auf eine souveräne Kommunikationsinfrastruktur untermauern.
Präsident Macron und Kommissionspräsidentin von der Leyen forderten beim Gipfel in Paris einen stärkeren europäischen Weltraumsektor und verwiesen auf mehr als 51 Vereinbarungen mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Milliarden Euro, die im Rahmen des Treffens unterzeichnet wurden.
Das Budget der Europäischen Weltraumorganisation für den Zeitraum 2026 bis 2028 soll auf ein Rekordniveau von 22,3 Milliarden Euro steigen, davon 35 Milliarden Euro speziell für Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen im All. Die Konstellation selbst soll auf über 350 Satelliten anwachsen.
Strategische Bedeutung für Airbus‘ Verteidigungssparte
Der Auftrag reiht sich in eine Phase ein, in der europäische Regierungen verstärkt auf eigene Weltraum- und Kommunikationsinfrastruktur setzen, um Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu verringern. Für Airbus bedeutet der Einstieg in IRIS² eine Erweiterung des Defence-and-Space-Geschäfts über mehrere Jahre hinweg, mit Lieferverpflichtungen bis mindestens 2029.
An der Börse zeigte die Nachricht bislang keine unmittelbare Reaktion. Die Aktie notiert bei 195,84 Euro und liegt damit rund 11 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das im Januar erreicht wurde.
Der Titel bewegt sich mit einem RSI von 40,5 in eher schwacher Verfassung und knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 202,12 Euro. Der langfristige Trend bleibt jedoch intakt: Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 191,11 Euro liegt der Kurs weiterhin im Plus.
Für Anleger dürfte der IRIS²-Auftrag weniger kurzfristige Kursimpulse liefern als vielmehr die langfristige Positionierung von Airbus im europäischen Verteidigungs- und Raumfahrtsektor stärken. Angesichts der politischen Rückendeckung durch Paris und Brüssel und der geplanten Aufstockung europäischer Weltraumbudgets dürfte sich das Auftragsvolumen aus diesem Bereich in den kommenden Jahren weiter ausbauen lassen.
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