Airbus-Aktien legen am Dienstag um 1,27 Prozent zu und notieren bei 48,00 Euro. Der Kurs bleibt damit deutlich unter Druck der vergangenen Woche: Über sieben Handelstage verlor das Papier 8,57 Prozent, während der 30-Tage-Trend mit plus 4,35 Prozent weiterhin positiv bleibt. Nur wenige Tage trennen Anleger jetzt von zwei Terminen, die die kurzfristige Richtung entscheiden könnten.
Die Ausgangslage: Rekordtempo trifft auf Bühne der Branche
Airbus hat gerade das stärkste erste Halbjahr seit 2019 hingelegt. 351 Flugzeuge lieferte der Konzern zwischen Januar und Juni aus, rund 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Boeing liegt bis Mai etwa ein Dutzend Maschinen zurück, obwohl der US-Rivale die 737-MAX-Produktion hochfährt.
Reuters berichtete zudem über ein internes Airbus-Ziel: mehr als 900 Auslieferungen für 2026. Offiziell hält der Konzern aber weiter an der Prognose von rund 870 Flugzeugen fest. Diese Lücke zwischen interner Ambition und öffentlicher Zielmarke ist bislang unerklärt.
Genau hier könnte das Management am Dienstag, den 21. Juli, ansetzen. CEO Guillaume Faury und CFO Thomas Toepfer präsentieren dann von London aus das Business Update, live von 17:30 bis 19:30 Uhr MESZ. Nur einen Tag zuvor startet die Farnborough International Airshow, die vom 20. bis 24. Juli in Hampshire stattfindet. Beide Ereignisse liegen noch vor uns – nichts davon ist bereits entschieden.
Die entscheidende Frage
Der weitere Kursverlauf hängt an einem operativen Engpass. Kann Airbus seinen Auftragsbestand und das verbesserte Monatstempo schnell genug in Auslieferungen umwandeln, um die Lücke zwischen der 870er-Prognose und dem kolportierten 900er-Ziel zu schließen? Vor allem die Triebwerks-Lieferkette bleibt dabei ein Risikofaktor.
Bull-Szenario: Momentum trifft auf volle Auftragsbücher
Die Lieferkurve zeigt eine klare Aufwärtsbewegung. Im Juni lieferte Airbus 89 Flugzeuge aus, das beste Monatsergebnis des laufenden Jahres. Bestätigt sich diese Zahl, wäre das erste Halbjahr das stärkste seit sechs Jahren.
Auch bei Neubestellungen liegt Airbus vorn. Bis Mai verbuchte der Konzern 368 Bruttobestellungen, Boeing kam auf 324 brutto und lediglich 140 netto. Farnborough könnte diesen Vorsprung ausbauen: Sowohl Airbus als auch Boeing stehen kurz vor Großaufträgen von Philippine Airlines, die 15 Boeing 787-10 und neun Airbus A350-1000 kaufen will.
Ein ähnliches Muster gab es bereits im Mai, als die Lufthansa Group zehn A350-900 und zehn Boeing 787-9 im Gesamtwert von 7,7 Milliarden Dollar bestellte. Charttechnisch notiert Airbus über dem 50-Tage-Durchschnitt von 45,48 Euro und über dem 200-Tage-Durchschnitt von 47,20 Euro. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 55,00 Euro, erreicht im Januar, bleibt aber noch Abstand – eine Marke, auf die Optimisten verweisen könnten, sollte sich die Liefer- und Auftragsstory in Farnborough weiter festigen.
Bear-Szenario: Lieferketten und nachlassendes Tempo
Das Gegenargument stützt sich auf ein Ausführungsrisiko, das nicht verschwunden ist. Das schwächere Tempo zu Jahresbeginn resultierte vor allem aus Lieferverzögerungen bei Pratt & Whitney. Die GTF-Triebwerke fehlten, wodurch fertige A320neo-Maschinen nicht ausgeliefert werden konnten – ein Streitpunkt, der die Spannungen zwischen Airbus und seinem Zulieferer zuletzt verschärft hat.
Selbst ein starker Juni ändert nichts daran: Die schwerste Arbeit liegt noch vor Airbus. Die zweite Jahreshälfte ist traditionell die effizienteste Phase des Konzerns, mit einem deutlichen Dezember-Schub. Im Dezember 2025 etwa lieferte Airbus 136 Flugzeuge aus, obwohl kein Vormonat des Jahres über 80 Stück kam.
Dieses rückgeladene Muster bedeutet: Die Spanne von 870 bis 900 Auslieferungen verlangt einen anspruchsvollen Endspurt. Enttäuschungspotenzial bleibt, sollten die Triebwerks-Engpässe zurückkehren. Der Markt preist diese Unsicherheit bereits ein. Der RSI liegt bei 52,1 und signalisiert keine klare Richtung, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 34,04 Prozent zeigt: Die Aktie bleibt anfällig für scharfe Ausschläge – passend zum Rücksetzer von 8,57 Prozent der vergangenen Woche.
Ausblick: Zwei Katalysatoren, ein enges Zeitfenster
Hält das Bestellmomentum aus den Monaten bis Mai an und bleibt ein neuer Lieferketten-Schock aus, spricht einiges dafür, dass Airbus seiner oberen Lieferambition näherkommt – und die Aktie über dem 200-Tage-Durchschnitt bei 47,20 Euro verharrt. Enttäuscht Farnborough hingegen bei den Auftragsvolumina oder kehren triebwerksbedingte Verzögerungen zurück, könnte sich die Schwäche der vergangenen Woche fortsetzen und die Aktie Richtung 50-Tage-Durchschnitt oder tiefer drücken.
Die nächsten konkreten Wegmarken liegen dicht beieinander. Vom 20. bis 24. Juli läuft die Farnborough Airshow, Auftragsmeldungen häufen sich erfahrungsgemäß in der ersten Wochenhälfte. Direkt im Anschluss, am 21. Juli, folgt das Business Update in London. Dort dürfte das Management gezielt gefragt werden, ob die intern diskutierte 900er-Marke die offizielle Prognose von 870 Auslieferungen tatsächlich ablösen kann.
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