Bei Allianz Partners übernehmen Chatbots künftig, was bisher Menschen am Telefon erledigten. Die Tochtergesellschaft für Reiseversicherungen und Assistance-Leistungen streicht europaweit zwischen 1.500 und 1.800 Stellen. Der Grund: Künstliche Intelligenz macht viele Callcenter-Jobs überflüssig.

Bots übernehmen den Kundenservice

CEO Tomas Kunzmann bestätigte den Plan am Dienstagabend. Er ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen mit den Betriebsräten. Erste Signale zu den Kürzungen gab es bereits im Herbst des Vorjahres.

In Deutschland trifft es rund 80 bis 100 Mitarbeiter. Der Großteil des Abbaus konzentriert sich auf Callcenter-Jobs. KI-Bots übernehmen dort zunehmend Kundenanfragen und Schadenmeldungen.

Allianz Partners beschäftigt insgesamt mehr als 22.000 Menschen. Rund 14.000 davon arbeiten im Kundenservice. Kunzmann betonte, der Abbau solle sozialverträglich laufen: über Freiwilligenprogramme, Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Harte Kündigungen will das Unternehmen vermeiden.

Aktie zeigt sich unbeeindruckt

Der Markt reagiert gelassen auf die Nachricht. Die Allianz-Aktie notiert bei 420,40 Euro, nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 423,90 Euro vom 7. Juli. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,16 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 17,83 Prozent.

Der RSI von 73,6 signalisiert eine überkaufte Aktie. Der Kurs liegt zudem mehr als 11 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Ein Stellenabbau bei einer Tochtergesellschaft ändert daran offenbar wenig.

Der Trend zu mehr Automatisierung zieht sich durch die gesamte Versicherungsbranche. Unternehmen investieren verstärkt in KI-Systeme, um Kosten zu senken und Prozesse zu beschleunigen. Die Allianz führt dabei den „Evident AI Index for Insurance 2026“ an – ein Ranking, das die KI-Nutzung großer Versicherer bewertet.

Personalabbau trifft auf Expansionspläne

Während in Europa Stellen wegfallen, baut Allianz Partners anderswo aus. Carsten Staat übernimmt zum 1. August die Position des Regional Managing Director für Asien-Pazifik, den Nahen Osten und Afrika. Der Konzern verfolgt damit zwei Strategien parallel: Kostensenkung durch KI in etablierten Märkten, Wachstum in neuen Regionen.

Wie stark sich der Stellenabbau langfristig auf die Profitabilität von Allianz Partners auswirkt, lässt sich heute noch nicht beziffern. Die aktuellen Schritte zeigen aber klar die Richtung: Der Konzern setzt konsequent auf Automatisierung, auch wenn das Arbeitsplätze kostet.