Die Allianz treibt ihre Expansion im Vermögensverwaltungsgeschäft voran und stellt gleichzeitig die Führungsstruktur neu auf. Am 31. Juli erhöhte der Münchener Versicherungskonzern seinen Anteil am US-Vermögensverwalter Pimco von 90,6 Prozent auf mindestens 95 Prozent.

Die Investition summiert sich auf mindestens 1,4 Milliarden Euro. Damit kündigte Allianz zugleich ein 18 Jahre altes Mitarbeiterbeteiligungsprogramm, über das ehemalige und aktuelle Pimco-Manager rund 9,4 Prozent über sogenannte „M Units“ gehalten hatten.

Der Analyst von Jefferies bezeichnete die Aufstockung als „freudige Überraschung“ und lobte den attraktiven Preis für einen der qualitativ hochwertigsten Asset Manager der Branche. Die Einschätzung fiel am selben Tag wie die Transaktion. Pimco selbst zeigte im zweiten Quartal starke Zuflüsse: Netto flossen dem Anleihespezialisten 31,7 Milliarden Euro von Drittinvestoren zu, überwiegend in Anleihestrategien.

Zukäufe in Asien und Übersee

Die Pimco-Aufstockung reiht sich in eine ganze Serie von Transaktionen ein, die Allianz Ende Juli bekanntgab. Größter Posten ist die geplante Übernahme von HSBC Life Singapore für rund 2 Milliarden Euro, verbunden mit einer langfristigen Vertriebskooperation mit HSBC. Der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2027 vorgesehen.

Parallel dazu erwarb die Fondstochter AllianzGI von United Overseas Bank das Geschäft UOB Asset Management für 555 Millionen Singapur-Dollar, umgerechnet knapp 376 Millionen Euro. Die übernommene Einheit verwaltet 28 Milliarden Euro und ist in acht asiatischen Märkten aktiv; der Abschluss ist für 2027 geplant und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.

Kleinere Zukäufe betreffen den portugiesischen Versicherer Caravela für rund 150 Millionen Euro sowie das Reiseversicherungsgeschäft von Nib Group in Australien und Neuseeland für bis zu 50 Millionen australische Dollar.

Vorstandsumbau parallel zur Wachstumsoffensive

Während der Konzern extern zukauft, ordnet er intern die Führungsriege neu. Günther Thallinger, im Vorstand zuständig für Global Health, Investment Management und Nachhaltigkeit, scheidet zum Jahresende aus. Der Vorstand schrumpft dadurch von neun auf acht Positionen.

Tomas Kunzmann, seit Juli 2022 Chef von Allianz Partners, rückt zum 1. Januar 2027 nach und übernimmt die Region Asien-Pazifik/Indien sowie Global Health und Nachhaltigkeit. Andreas Wimmer übernimmt das Investment Management und soll Kapitalmarkt-, Investment- und Steuerungsthemen enger verzahnen.

Wachstumskurs trifft auf hohe Bewertung

Die Serie an Übernahmen zeigt, dass Allianz die zuletzt vorgelegten operativen Rekordzahlen für eine aktive Expansion im Vermögensverwaltungs- und Versicherungsgeschäft nutzt. Am Kapitalmarkt kommt das an: Die Aktie schloss am Freitag bei 441,60 Euro, nur 0,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 443,80 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 13 Prozent zu Buche, der Titel notiert zudem 15 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt.

Der jüngste Kommentar von JPMorgan Chase & Co. vom 14. August passt in dieses Bild: Die Analysten hoben ihr Kursziel von 430 auf 460 Euro an und begründeten dies mit gestiegenen operativen Ergebnisprognosen für die Jahre 2026 bis 2028. Die Einstufung „Neutral“ blieb dabei unverändert – ein Hinweis darauf, dass trotz der zahlreichen Zukäufe und der starken Kursentwicklung auch Zurückhaltung bei der Bewertung mitschwingt. Die nächsten Ergebnisse zum dritten Quartal will Allianz am 12. November vorlegen.