Das US-Handelsministerium hat am Donnerstag ein Exportverbot für Wolfram-Schrott und Batterieabfälle in Kraft gesetzt. Die Maßnahme gilt zunächst für ein Jahr und soll strategische Rohstoffe für die amerikanische Verteidigungs- und Halbleiterindustrie sichern. Almonty Industries profitiert davon direkt als einer der wichtigsten Wolfram-Lieferanten außerhalb Chinas.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Erst wenige Tage zuvor hatte das Unternehmen den Übergang der Sangdong-Mine in Südkorea von der Entwicklungs- in die kommerzielle Produktionsphase verkündet. Die Anlage nimmt nun den Durchsatzbetrieb auf – genau in dem Moment, in dem Washington den Zugang zu nicht-chinesischem Wolfram politisch flankiert.
Kursreaktion nach starkem Lauf
An der Börse sorgte die Nachricht zunächst für Rückenwind, wurde dann aber von einer Gegenbewegung überlagert. Der Kurs schloss am Freitag bei 15,57 Euro, ein Minus von 3,9 Prozent auf Tagessicht. Über sieben Tage steht ebenfalls ein leichtes Minus von 1,8 Prozent zu Buche. Der Rückschlag relativiert sich jedoch angesichts der Gesamtbewegung: Auf Monatssicht steht ein Plus von 63 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs nahezu verdoppelt.
Medienberichten zufolge hatten automatisierte Bewertungsmodelle die Aktie zuletzt als deutlich überbewertet eingestuft und ein technisches Rating von „Kaufen“ auf „Halten“ zurückgenommen – eine Einschätzung, die angesichts der fundamentalen Nachrichtenlage der vergangenen Wochen allerdings nur eine Randnotiz bleibt.
Vertragsausweitung mit US-Partner GTP
Fundamentaler wiegt eine andere Meldung: Almonty hat seine bindende Abnahmevereinbarung mit Global Tungsten & Powders Corp (GTP) deutlich ausgeweitet. Die Laufzeit steigt von 15 auf 21 Jahre, das kontrahierte Volumen wächst um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU.
Für ein Unternehmen, das gerade erst in die kommerzielle Produktion einsteigt, ist eine derart langfristige Abnahmezusage ein wichtiges Signal an den Kapitalmarkt – sie sichert Absatz über mehr als zwei Jahrzehnte und reduziert das Preisrisiko einzelner Lieferjahre.
Auch institutionelle Investoren zeigen wachsendes Interesse: Der Pensionsfonds Public Employees Retirement System of Ohio meldete eine Beteiligung an Almonty im Wert von 1,81 Millionen Dollar.
Konzentration auf die Nasdaq
Der bereits angekündigte Rückzug von der Toronto Stock Exchange liegt inzwischen rund einen Monat zurück, seither hat die Aktie um 61,6 Prozent zugelegt. Gestern vollzog Almonty zudem den Rückzug von der australischen Börse.
Beide Schritte fügen sich in die Strategie, den Handel auf die Nasdaq zu konzentrieren und die Aktionärsbasis stärker auf US-Investoren auszurichten – jenen Markt, der nach dem Exportverbot besonders auf heimische Wolfram-Lieferanten angewiesen ist.
Das im vergangenen Monat vom Verwaltungsrat genehmigte Rückkaufprogramm über bis zu 300 Millionen US-Dollar bleibt vor diesem Hintergrund ein Signal des Managements, dass es die eigene Aktie trotz des kräftigen Anstiegs nicht für ausgereizt hält – gerade zu einem Zeitpunkt, an dem regulatorischer Rückenwind und operative Fortschritte bei Sangdong zusammenfallen.
Mit einem RSI von 60,8 und einem Abstand von 18 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigt der Titel technisch keine Überhitzung, notiert aber weiterhin rund ein Viertel unter seinem 52-Wochen-Hoch von 20,61 Euro. Der jüngste Rücksetzer dürfte für Anleger damit eher als Verschnaufpause nach der Rally denn als Trendwende zu lesen sein.
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