Die moderne Halbleiterindustrie lebt von einer bizarren Ironie. Die fortschrittlichsten KI-Chips der Welt verarbeiten Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde. Dafür brauchen sie ein Metall. Der Hauptlieferant dieses Metalls nutzt seine Monopolstellung nun als Waffe. Almonty Industries steht genau im Zentrum dieses Konflikts.

Der unbemerkte Engpass

Zwei große japanische Chemiekonzerne stehen vor einem massiven Problem. Showa Denko Kanto und Central Glass produzieren Wolframhexafluorid. Dieses Gas ist unverzichtbar für KI-Chips mit 3- bis 7-Nanometer-Strukturen. Ab Juli 2026 könnten die Anlagen stillstehen. Die Vorräte sinken auf ein kritisches Niveau. Japan verantwortet ein Viertel der weltweiten Produktion.

Die Konzerne haben Samsung, SK Hynix und DB HiTek bereits gewarnt. Sie müssen dringend alternative Lieferanten finden. Dieser Engpass hat strukturelle Gründe. China, Russland und Nordkorea kontrollieren rund 95 Prozent des weltweiten Wolframangebots. Als Antwort auf US-Zölle drosselte Peking Ende 2025 seine Exporte drastisch.

Im Januar 2026 folgte der nächste Schritt. China erlaubt nur noch 15 ausgewählten Unternehmen den Export von Wolframprodukten. So kontrolliert die Regierung Menge, Zeitpunkt und Zielort der Lieferungen.

Vom Entwickler zum Produzenten

Genau in dieser geopolitischen Gemengelage vollendet Almonty einen jahrelangen Umbau. Die Sangdong-Mine in Südkorea ist eine der wenigen großen Wolframquellen außerhalb Chinas. Im März 2026 startete dort der kommerzielle Betrieb.

Das zeigt sich bereits in den Büchern. Der Umsatz im ersten Quartal sprang um 221 Prozent auf 25,4 Millionen kanadische Dollar.

Der operative Cashflow drehte tief aus dem Minus auf plus 9,7 Millionen Dollar. Auch das bereinigte EBITDA verbesserte sich deutlich. Aus einem Verlust wurde ein Gewinn von 6,1 Millionen Dollar. Der Wandel zum profitablen Produzenten ist nun Realität.

Die Anlage verarbeitet jährlich 640.000 Tonnen Erz. Das liefert etwa 2.300 Tonnen Wolframkonzentrat. Eine zweite Ausbaustufe soll diese Kapazität im Jahr 2027 verdoppeln.

Eine Wandelanleihe über 773 Millionen Dollar finanziert diesen Ausbau. Sie läuft bis 2031 und bietet einen Zinskupon von 2,25 Prozent.

Neue Strategie in Montana

Almonty baut sich gezielt um diese geopolitischen Bruchlinien herum neu auf. Der Konzern verlegte seinen Hauptsitz kürzlich von Toronto nach Dillon im US-Bundesstaat Montana. Das Ziel: eine Lieferkette ohne Abhängigkeit von China.

Dort liegt auch das Gentung-Projekt. Es könnte in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Produktion gehen. Das Timing ist kein Zufall. Ab Januar 2027 verbietet Washington dem Pentagon den Kauf von chinesischem Wolfram. Die USA haben seit 2015 kein Wolfram mehr kommerziell gefördert.

Die Führungsebene vollzieht diesen Schwenk mit. Die Aktionäre bestätigten am 9. Juni zwei pensionierte US-Generäle im Vorstand. Gustave F. Perna und Alan Estevez erhielten über 99 Prozent der Stimmen.

Seit dem 1. Juni 2026 lenkt Jorge Beristain als neuer Finanzchef die Zahlen. Er war zuvor leitender Analyst für Bergbau bei der Deutschen Bank. Das ist ein klares Signal. Almonty verkauft nicht mehr nur Wolfram. Der Konzern verkauft institutionellen Investoren eine geopolitische These.

Resilienz statt Kostenoptimierung

Jahrzehntelang optimierte die Weltwirtschaft ihre Lieferketten auf Kosten. Nun investiert sie enorme Summen in deren Widerstandsfähigkeit. Wolfram schmilzt erst bei extremen Temperaturen. Es ist in modernen Waffensystemen und Halbleitern schlicht unersetzlich.

Wer Almonty kauft, glaubt an diese westliche Lieferkette. Die aktuelle Gewinnmarge ist dabei zweitrangig. Die Warnungen der japanischen Chipfabriken vor Produktionsstopps im Juli machen das Risiko greifbar. In sechs Monaten greift das US-Beschaffungsverbot. Die Chips hängen ganz buchstäblich von den Minen ab.