Alphabet schließt ein langwieriges Kapitel seiner Rechtsgeschichte ab. Ein US-Bundesgericht bestätigte am 20. August den Vergleich im Streit um den Google Play Store. Das Unternehmen zahlt 700 Millionen US-Dollar und muss sein Geschäftsmodell in den USA spürbar öffnen.
App-Store unter Zugzwang
Die Einigung beendet Vorwürfe eines illegalen Monopols bei Android-Anwendungen. Google hatte zuvor Provisionen von bis zu 30 Prozent auf In-App-Käufe verlangt. Der gerichtlich besiegelte Vergleich zwingt Alphabet nun zu weitreichenden Zugeständnissen für den US-Markt:
- Entwickler dürfen für fünf Jahre alternative Bezahlsysteme nutzen.
- Google muss konkurrierende App-Stores ohne Schikane zulassen.
- Der Download aus externen Quellen bleibt für sieben Jahre erlaubt.
- Millionen Nutzer erhalten automatisierte Rückzahlungen über Dienste wie PayPal.
Milliarden-Wette auf KI und neue Lieferketten
Parallel zum juristischen Durchbruch festigt Alphabet seine technische Unabhängigkeit. Eine erweiterte Allianz mit Marvell Technology sichert den Zugriff auf spezialisierte KI-Hardware. Das Abkommen beinhaltet Optionen auf Marvell-Aktien im Wert von bis zu 12,2 Milliarden US-Dollar. Alphabet will so die Kontrolle über seine Rechenzentren erhöhen und Abhängigkeiten von einzelnen Chip-Lieferanten reduzieren.
Indes plant der Konzern eine radikale Wende in der Hardware-Fertigung. Bis zum Jahr 2027 soll die Produktion von Pixel-Smartphones und Wearables China verlassen. Stattdessen setzt Alphabet verstärkt auf Fabriken in Indien und Vietnam. Damit reagiert die Konzernführung auf globale Handelsrisiken und diversifiziert ihre Lieferketten im asiatischen Raum.
Finanzielle Schlagkraft bleibt gewahrt
Die Aktie reagierte positiv auf das Nachrichtenpaket und stieg um 1,5 Prozent auf 295,70 Euro. Trotz der Strafzahlung und hoher Infrastrukturkosten bleibt die Bilanz des Tech-Riesen massiv. Alphabet verfügte zum Ende des zweiten Quartals über Barmittel von rund 242 Milliarden US-Dollar. Das zweistellige Wachstum der Cloud-Sparte stützt dabei das Vertrauen der Marktteilnehmer.
Alphabet plant für das Gesamtjahr Investitionen in einer Spanne von bis zu 205 Milliarden US-Dollar. Ein Großteil dieser Mittel fließt direkt in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Das Management setzt darauf, dass die Cloud-Sparte diese massiven Ausgaben durch dauerhaft hohe Wachstumsraten rechtfertigt.
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