Ein Tag Betriebszeit, dann der Stopp: Google hat eine neue KI-Bildfunktion in Google Earth wieder eingestampft. Anleger nehmen es gelassen — die Aktie legte im vorbörslichen Handel zu, statt auf Kritik einzubrechen.

Zu realistisch für den eigenen Anspruch

Die Funktion, angetrieben vom Bildmodell Nano Banana 2, erzeugte fotorealistische Szenen auf Basis echter Satelliten-, Luft- und 3D-Aufnahmen von Google Earth. Gedacht war das Werkzeug für Visualisierungen historischer Ereignisse oder Immobilienpläne. Genau diese Kombination aus echtem Kartenmaterial und generierten Inhalten erwies sich als Problem: Nutzer verbreiteten Screenshots mit fingierten Katastrophen und Ereignissen, die nie stattgefunden hatten — auf Basis realer Aufnahmen bekannter Orte.

Google erklärte über den Kurznachrichtendienst X, man habe das Feature komplett zurückgerollt, statt es im laufenden Betrieb nachzubessern. An stärkeren Schutzmechanismen werde gearbeitet, einen Zeitpunkt für eine Wiedereinführung nannte der Konzern nicht.

Kein Einzelfall in der Branche

Der Rückzieher reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Erst wenige Wochen zuvor hatte Meta sein Bildfeature Muse Image eingestellt, nachdem unter anderem eine Hollywood-Gewerkschaft Datenschutzbedenken geäußert hatte. Auch Google selbst musste bereits 2024 eine Bildfunktion in Gemini pausieren, als das Modell historische Personendarstellungen fehlerhaft generierte.

Für den Konzern ist das ein Stresstest für die eigene KI-Governance — gerade weil Alphabet KI-Funktionen aktuell quer durch das gesamte Produktportfolio ausrollt, von Suche über Cloud bis zu Robotik-Anwendungen. Der Wettlauf um immer neue Features trifft in der Branche wiederholt auf dieselbe Schwachstelle: unzureichende Schutzmechanismen vor dem Rollout.

Parallel dazu bleibt das Wettbewerbsumfeld in Bewegung. Chinesische Anbieter wie DeepSeek drücken mit extrem günstigen Modellpreisen auf den Markt, während Alibaba mit dem Qwen3.8-Max sein bislang leistungsfähigstes Modell vorgestellt hat. Für Alphabet bedeutet das: Tempo beim Ausbau der eigenen KI-Produkte bleibt nötig, doch der Google-Earth-Fall zeigt, dass Schutzmechanismen mit dem Innovationstempo mithalten müssen — sonst drohen weitere kurzfristige Rückzieher.