Google baut seine Energiebasis für die nächste Rechenzentrums-Generation aus – und setzt dabei auf eine Technologie, die bislang eher als Nischenlösung galt. Mit dem Geothermie-Spezialisten Fervo Energy hat die Alphabet-Tochter den nach eigenen Angaben größten Stromabnahmevertrag für Enhanced-Geothermal-Systeme weltweit unterzeichnet.
Geothermie für den KI-Hunger
Der Vertrag sieht vor, dass Google künftig rund 396 Megawatt Strom aus dem Cape-Station-Projekt in Utah bezieht. Die Anlage soll 2028 vollständig ans Netz gehen und rund um die Uhr CO2-freien Strom liefern – genau das, was energiehungrige Rechenzentren brauchen. Eine Erweiterungsoption erlaubt Google, den Bezug bis Juni 2030 auf fast ein Gigawatt hochzufahren, abhängig von Genehmigungen und technischer Machbarkeit.
Der Strom soll ein mögliches Rechenzentrum in Utah versorgen, dessen genauer Standort noch offen ist. Für Google ist es bereits die dritte Vereinbarung mit Fervo Energy seit 2023 – nach einem Pilotprojekt in Nevada und einem 115-Megawatt-Abkommen im Jahr 2024 fällt der neue Umfang deutlich größer aus. Das unterstreicht, wie systematisch Alphabet inzwischen an der Energieversorgung für seine KI-Infrastruktur arbeitet.
Waymo expandiert, Regulierung bleibt Dauerthema
Parallel zum Energiegeschäft treibt Alphabet auch die Expansion seiner Robotaxi-Tochter Waymo voran. Das Unternehmen bietet nun in San Diego, Tampa und erstmals in Denver fahrerlose Fahrten an und kommt mittlerweile auf über 4.000 Fahrzeuge in 14 US-Städten.
Mit mehr als 500.000 Fahrten pro Woche peilt Waymo bis Ende 2026 die Marke von einer Million Fahrten an – während Konkurrent Zoox von Amazon mit einem bezahlten Service bislang nur in Las Vegas aktiv ist.
Auf regulatorischer Seite bleibt Google derweil im Visier der EU-Kartellbehörden. Brüssel befragt aktuell Verlage zu Googles Vorschlag, ihre Inhalte per Opt-out von der KI-Suche auszuschließen, ohne dass dies ihr Suchranking beeinträchtigt.
Die Rückmeldungen der Verlage dürften mitentscheiden, ob eine laufende Untersuchung zu einer weiteren Geldstrafe führt – Google hat in der EU bereits mehr als zehn Milliarden Euro an Kartellstrafen angesammelt.
Bei den Analysten überwiegt trotz der offenen Regulierungsfragen Optimismus: Wolfe Research hat jüngst seine Umsatz- und Gewinnschätzungen für Alphabet angehoben und rechnet für 2027 mit 595 Milliarden Dollar Umsatz. Citizens bestätigte sein Kursziel von 515 Dollar.
Wie schnell sich die Genehmigungen für die Kapazitätserweiterung in Utah und der Baufortschritt bei Cape Station entwickeln, dürfte zeigen, wie belastbar Googles Energiestrategie für die kommenden Rechenzentrums-Generationen tatsächlich ist.
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