Amazon hat am Mittwoch um 2,62 Prozent auf 211,60 Euro zugelegt. Hinter dem Kursanstieg stecken zwei Geschichten gleichzeitig: ein rekordverdächtiger Prime Day und ein neues KI-Werbeformat, das Amazons Anzeigengeschäft grundlegend verändern könnte.
Prime Day 2026 bricht Rekorde
Der diesjährige Prime Day läuft vier Tage — von Dienstag, dem 23. Juni, bis Freitag, dem 26. Juni. Bereits am ersten Tag übertrafen die Online-Ausgaben amerikanischer Verbraucher alle Prognosen. Der Umsatz über alle US-E-Commerce-Plattformen hinweg erreichte einen neuen Tageshöchstwert.
Analysten rechnen für das gesamte Event mit 26,3 Milliarden Dollar Umsatz. Besonders stark: Smartphones und Tablets sollen erstmals mehr als die Hälfte aller Transaktionen ausmachen — konkret 54,2 Prozent. Schwerpunkte bei den Rabatten liegen auf Elektronik, Kleidung und Schulmaterial. Amazons eigene Produkte wie Alexa+ und Kindle gibt es laut Bank of America mit bis zu 60 beziehungsweise 45 Prozent Nachlass.
An dem Event nehmen 26 Länder teil, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, das Vereinigte Königreich und die USA.
Ein Werbeformat, das den Kauf direkt im Gespräch abschließt
Das strukturell interessantere Signal für Investoren ist ein neues Produkt namens Alexa+ Agentic Ads. Amazon startete das Format pünktlich zum Prime-Day-Auftakt auf seinen Echo-Show-Geräten.
Die Idee dahinter: Ein Nutzer sieht eine Anzeige, führt ein natürliches Gespräch mit Alexa und schließt den Kauf ab — ohne die Unterhaltung je zu verlassen. Kein Weiterleiten, kein separater Checkout. Charlotte Maines, Amazons VP für Geräte, Inhalte und Werbung, betont dabei die Rolle des Sprachmodells: Es beantwortet Kundenfragen frei und ohne vorgegebene Skripte.
Zum Start sind Papa John’s für Essensbestellungen sowie Ticketmaster für Konzerttickets von Künstlern wie Beck und Jill Scott dabei. Das ist ein Novum: Bisher konnten Nutzer über solche Anzeigen nur Amazon-eigene Produkte kaufen. Jetzt öffnet Amazon das Format für externe Händler.
Das Werbegeschäft von Amazon hat zuletzt rund 70 Milliarden Dollar Jahresumsatz erreicht. Agentic Ads könnten die Conversion-Rate — also den Anteil der Anzeigen, die tatsächlich zu einem Kauf führen — deutlich steigern.
KI als Einkaufsassistent
Parallel dazu hat Amazon seine Shopping-KI neu aufgestellt. Die bisherigen Assistenten Rufus und Alexa+ sind zu einem einzigen System zusammengeführt worden. Es läuft in der Shopping-App, auf Amazon.com und auf Echo-Show-Geräten.
Der Assistent kennt Kaufhistorie, Surfverhalten und frühere Alexa-Gespräche. Er empfiehlt Produkte, baut Warenkörbe zusammen und kann Käufe automatisch ausführen. Außerdem zeigt Amazon für Hunderte Millionen Produkte bis zu 365 Tage Preisverlauf an.
Laut einer Studie der Plattform Novi planen 39 Prozent der US-Verbraucher, generative KI-Tools für ihre Prime-Day-Recherche zu nutzen. Bei der Frage, welchem KI-Einkaufsassistenten sie am meisten vertrauen, liegt Amazon mit 30 Prozent vor OpenAIs ChatGPT und Walmart.
Starke Quartalszahlen als Rückenwind
Der Kursanstieg fiel in ein freundlicheres Marktumfeld. Nach einem schwachen Vortag — der S&P 500 hatte 107 Punkte verloren, der Nasdaq sogar 580 Punkte — erholten sich die großen Indizes am Mittwoch.
Amazons Fundamentaldaten liefern dafür eine solide Basis. Im ersten Quartal 2026 wuchs der Konzernumsatz um 17 Prozent auf 181,5 Milliarden Dollar. AWS beschleunigte sein Wachstum auf 28 Prozent. Beide Werte übertrafen die Erwartungen der Analysten.
Mit 211,60 Euro notiert die Aktie rund elf Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 238,05 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von knapp 200 Euro. Bis Freitag, wenn Prime Day endet, dürften erste belastbare Umsatzdaten vorliegen — und zeigen, ob die hohen Erwartungen an das diesjährige Event aufgehen.
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