Amazon greift nach einem besonders sensiblen Markt: den US-Geheimdiensten. Der Cloud-Ableger AWS hat Anfang Juli ein neues Milliardenprogramm gestartet, das Behörden und Verteidigungsunternehmen in die Cloud holen soll. Für Amazon ist das mehr als nur ein weiterer Großkunde — es ist ein Vorstoß in einen Bereich, in dem Sicherheit über Preis entscheidet.
Eine Milliarde Dollar für Geheimdienst-Clouds
Das neue Programm heißt IC Accelerated Modernization Framework, kurz ICAMF. Es stellt US-Geheimdienstbehörden ein Volumen von einer Milliarde Dollar an Cloud-Guthaben zur Verfügung. Die Laufzeit reicht bis Oktober 2030.
Ziel ist die Modernisierung alter Behörden-IT auf Amazons Infrastruktur. Parallel dazu hat AWS eine zweite Initiative gestartet: die AWS Secret Cloud for Industry. Diese Umgebung erlaubt Verteidigungsunternehmen, geheimhaltungsbedürftige Workloads auf dedizierter AWS-Hardware auszuführen. Rüstungskonzern Northrop Grumman ist der erste Partner in diesem Hochsicherheitsbereich.
Analysten sehen Kapitalverschiebung zugunsten der Cloud-Anbieter
Am 7. Juli veröffentlichte Morgan Stanley eine Einschätzung zum KI-Investmentzyklus. Die Kernaussage: Kapital fließt zunehmend weg von Halbleiterherstellern, hin zu großen Cloud-Anbietern. Amazon gilt dabei als einer der Hauptprofiteure, weil der Konzern massiv in Rechenzentren investiert.
Diese Einschätzung trifft auf ein Aktienbild, das durchwachsen wirkt. Der Kurs notiert bei 213,45 Euro und legte binnen einer Woche um 2,25 Prozent zu. Auf Monatssicht bewegt sich die Aktie mit einem Plus von 0,28 Prozent kaum vom Fleck.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Gewinn von 10,41 Prozent zu Buche. Zum Rekordhoch von 238,05 Euro aus dem Mai fehlen aktuell 10,33 Prozent. Vom Jahrestief im Februar bei 165,88 Euro hat sich der Kurs hingegen um fast 29 Prozent erholt.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 29 — niedriger als frühere Höchstwerte der Aktie. Die technischen Indikatoren zeichnen ein neutrales Bild: Der RSI steht bei 51,6, die Aktie notiert 6,43 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 200,55 Euro. Zum kurzfristigeren 50-Tage-Schnitt bei 219,73 Euro fehlen dagegen noch 2,86 Prozent.
KI-Modell kehrt zurück, Prime Day bricht Rekorde
Auf der Produktseite hat AWS sein KI-Angebot verstärkt. Anthropics Modell Claude Fable 5 ist zu Amazon Bedrock zurückgekehrt und übernimmt komplexe Coding- und Wissensaufgaben mit eigenständiger Selbstprüfung. Das stärkt Amazons Position im Wettbewerb um generative KI-Anwendungen.
Im Einzelhandelsgeschäft lief es zuletzt ebenfalls gut. Der Prime Day Ende Juni trieb die US-Online-Ausgaben der gesamten Branche auf 26,4 Milliarden Dollar. Der erste Tag der Aktion war damit der umsatzstärkste E-Commerce-Tag des bisherigen Jahres.
Hohe Ausgaben, hohe Liquidität
Im Hintergrund wächst allerdings ein Kostenblock, den Investoren genau beobachten. Amazons Investitionsplanung für KI- und Cloud-Infrastruktur hat die Marke von 200 Milliarden Dollar überschritten. Das sorgt am Markt für Diskussionen über die Rentabilität dieser Ausgaben.
Amazon hält dem eine Liquiditätsreserve von rund 143 Milliarden Dollar entgegen. Diese Reserve soll die geplanten Investitionen absichern, ohne die Kapitalstruktur zu belasten. Für die kommenden Quartale dürfte sich zeigen, wie sich die Rotation der Anlegergelder hin zu Cloud-Anbietern auf die Bewertung der Aktie auswirkt.
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