Amazon treibt seine Automatisierungsstrategie auf zwei Fronten gleichzeitig voran. Mit der Übernahme des Schweizer Robotik-Startups Rivr und einem milliardenschweren Chip-Deal mit Nvidia setzt der Konzern auf eine hardware-getriebene KI-Offensive — mit dem Ziel, sowohl die Logistik als auch die Cloud-Infrastruktur grundlegend umzubauen.

Vierbeiner auf Rollen für die letzte Meile

Am 20. März bestätigte das Züricher Unternehmen Rivr die abgeschlossene Übernahme durch Amazon. Die Roboter des Startups — beschrieben als „Hunde auf Rollschuhen“ — können Treppen steigen und unebenes Gelände bewältigen. Ihr Zweck: Pakete eigenständig vom Lieferwagen bis zur Haustür transportieren.

Amazon hatte bereits 2024 über seinen Industrial Innovation Fund in Rivr investiert, bevor das Startup insgesamt 25 Millionen US-Dollar an Finanzierungen eingesammelt hatte. Der Kaufpreis lag zuletzt bei rund 100 Millionen US-Dollar. Amazon plant, die Technologie als Plattform für sogenannte „Physical AI“ weiterzuentwickeln — also Systeme, die durch Reinforcement Learning lernen, mit komplexen physischen Umgebungen umzugehen.

AWS rüstet massiv auf

Parallel dazu hat AWS einen Liefervertrag mit Nvidia über bis zu einer Million KI-Chips abgeschlossen, mit Auslieferungen ab 2026 und einer Laufzeit bis Ende 2027. Das Paket umfasst sieben verschiedene Chip-Typen, darunter die aktuellen Blackwell- und Rubin-Architekturen sowie spezialisierte Netzwerk- und Inferenz-Chips.

Der Deal ist Teil des 100-Milliarden-Dollar-Investitionsplans für 2025 und 2026. Analysten sehen den Schritt als notwendig, um im Cloud-Segment gegenüber Google und Microsoft wettbewerbsfähig zu bleiben — insbesondere beim Training großer Sprachmodelle und bei der KI-Inferenz in Echtzeit.

Bewertungslücke bleibt bestehen

Trotz der strategischen Weichenstellungen notiert die Aktie aktuell rund 27 Prozent unterhalb des durchschnittlichen Analystenpreisziels von 280 US-Dollar. Der Analystenkonsens lautet „Moderate Buy“, wobei einige Häuser ihre Kursziele zuletzt nach unten angepasst haben — als Reaktion auf den hohen Kapitalbedarf des laufenden KI-Investitionszyklus.

Hinzu kommt gemischtes Signalverhalten bei Insidern: Während Standard Investments LLC seine Position im dritten Quartal um 92 Prozent aufgestockt hat, verkauften CEO Andy Jassy und AWS-Chef Matthew S. Garman zuletzt Aktien im Millionenwert. Die Bewertungslücke dürfte sich erst schließen, wenn die Investitionen in messbare Ergebnisse — bei AWS-Wachstum oder Logistikeffizienz — münden.