Amazon baut sein KI-Geschäft in alle Richtungen aus — neue Partnerschaften, neue Rechenzentren, neue Rekorde. Doch der Strombedarf für diesen Ausbau bringt den Konzern in Konflikt mit seinem eigenen Klimaversprechen. Zwei Nachrichten vom selben Tag zeigen, wie eng Wachstum und Widerspruch beieinanderliegen.

AWS gewinnt Novo Nordisk als Partner

In London haben AWS und der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ein gemeinsames KI-Innovationszentrum eröffnet. Ingenieure und Wissenschaftler beider Unternehmen arbeiten dort künftig zusammen, um mithilfe von Amazon Bio Discovery und Amazon Bedrock die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen — von der Identifikation von Wirkstoffzielen bis zur Strukturierung klinischer Studien.

Novo Nordisk ist damit nicht der erste große Pharmakonzern, der sich einen KI-Anbieter ins Haus holt. Der Wegovy-Hersteller hatte bereits Anfang des Jahres eine Kooperation mit OpenAI angekündigt, während Bristol Myers Squibb auf Anthropics Claude setzt. Die Amazon-Aktie reagierte auf die Nachricht kaum merklich und notierte zeitweise 0,45 Prozent höher bei 275,71 US-Dollar.

Erdgas für den KI-Hunger

Weniger glatt läuft es beim Thema Energie. Amazon plant den Bau eines Erdgaskraftwerks, das ein neues KI-Rechenzentrum mit Strom versorgen soll — und könnte damit nach Einschätzungen zum größten Einzel-Klimaverschmutzer der USA werden, mit möglichen Emissionen von rund 33 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Das steht in deutlichem Kontrast zum eigenen Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden.

Der Schritt fällt in eine Phase, in der sich Tech-Konzerne einen Wettlauf um Rechenkapazität liefern. Meta etwa lässt Rechenzentren zeitweise in Zelten unterbringen, um Bauzeit und Kosten zu drücken. Der Bedarf an Energie und Speicherchips wächst schneller, als klassische Infrastruktur mithalten kann — Amazon-Chef Andy Jassy hatte diesen Engpass zuletzt selbst als Grund für die deutlich angehobene Investitionsprognose des Konzerns genannt.

Rekordbewertung nach starkem Quartal

Der Kontext für diese Ausbaupläne liefert der jüngste Quartalsbericht. Nach den Zahlen sprang die Amazon-Aktie an einem einzigen Handelstag um mehr als 15 Prozent nach oben. Der Konzern überschritt dabei erstmals in seiner Geschichte eine Marktkapitalisierung von drei Billionen US-Dollar, getragen vom kräftigen Wachstum des Cloud-Geschäfts AWS.

Die kommenden Monate dürften zeigen, wie Amazon den Spagat zwischen KI-Expansion und Klimaversprechen austariert. Bis 2027 rechnet Jassy nach eigener Aussage weiterhin mit einer Nachfrage, die selbst die aufgestockten Investitionen übersteigt — der Druck auf Energieversorgung und Lieferketten dürfte damit vorerst bestehen bleiben.