AMD hat am Dienstag gleich zwei strategische Weichenstellungen verkündet. Eine Milliarden-Partnerschaft im KI-Rechenzentrumsmarkt und eine Akquisition zur Lösung eines der drängendsten Hardware-Probleme der Branche — und trotzdem fällt die Aktie um gut vier Prozent.
Rackspace bringt 30 Megawatt KI-Kapazität
AMD und Rackspace Technology haben eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet. Sie sieht den schrittweisen Aufbau von 30 Megawatt KI-Rechenkapazität vor, verteilt über den Zeitraum von Ende 2026 bis 2028. Die Infrastruktur setzt auf AMDs Instinct-GPUs der Modelle MI355X und MI350P sowie auf EPYC-Prozessoren.
Das Ziel: regulierte Branchen wie das Gesundheitswesen mit einem sogenannten „Governed AI Stack“ zu versorgen. Kunden erhalten Zugang zu Hochleistungsrechnen über Dienste wie Enterprise AI Cloud und Inference as a Service — ohne eigene Hardware betreiben zu müssen. Die Vereinbarung formalisiert eine Absichtserklärung, die beide Unternehmen bereits im Frühjahr geschlossen hatten.
MEXT löst das Speicherproblem
Parallel dazu hat AMD das Unternehmen MEXT übernommen. Die Firma hat Software entwickelt, die NAND-Flash-Speicher so optimiert, dass er sich verhält wie deutlich teureres DRAM. Das ist relevant, weil DRAM derzeit rund 60 Prozent der gesamten Serverkosten ausmacht.
Die Technologie trägt den Namen „Predictive Memory“ und soll die effektive Speicherkapazität auf das Zwei- bis Vierfache steigern. Die Infrastrukturkosten könnten dadurch um bis zu 50 Prozent sinken — ohne Hardware-Änderungen. AMD will die Software in seine Beschleuniger der Baureihen MI300 und MI355X integrieren.
Kurs gibt nach, Trend bleibt intakt
Trotz der Nachrichten steht die Aktie am Dienstag bei 453,45 Euro, ein Minus von gut vier Prozent gegenüber dem Vortag. Das 52-Wochen-Hoch von 480,30 Euro hatte der Kurs erst am Montag erreicht. Der Rücksetzer wirkt wie eine Konsolidierung nach einem starken Lauf: Auf Sieben-Tages-Sicht liegt das Plus noch bei rund zehn Prozent, seit Jahresbeginn bei fast 138 Prozent.
Analysten bleiben konstruktiv. Citigroup hat die Aktie zuletzt auf „Buy“ hochgestuft mit einem Kursziel von 575 Dollar. Die Bank of America sieht 560 Dollar als fairen Wert. Hintergrund ist unter anderem der adressierbare Markt für Server-CPUs, den AMD-Management inzwischen auf über 120 Milliarden Dollar taxiert.
Das Datenzentrumsgeschäft wächst mit Nachdruck: Zuletzt meldete das Segment ein Umsatzplus von 57 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Die nächsten Quartalszahlen folgen im August 2026 — Analysten erwarten dann einen Gewinn je Aktie von 1,55 Dollar bei einem Umsatz von rund 11,3 Milliarden Dollar.
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