Smarte Brillen sollen das nächste große Ding der Tech-Welt werden. Ams Osram sichert sich in diesem Wachstumsmarkt nun einen strategischen Platz in der ersten Reihe. Der Halbleiterkonzern liefert eine Kernkomponente für ein neues Brillen-Referenzdesign. Das treibt die Aktie an.

Ganzin Technology integriert die Infrarot-Lösung von Ams Osram in seine Aurora-Plattform. Dieses System ermöglicht ein präzises Eye-Tracking. Kürzlich präsentierten die Partner das Projekt auf einer Fachmesse in Kalifornien. Für Ams Osram ist das weit mehr als ein technisches Detail. Die Aufnahme in ein solches Referenzdesign fungiert als direkter Türöffner. Jeder Brillenhersteller, der diese Blaupause nutzt, testet automatisch die Bauteile der Österreicher.

Lukratives Geschäft mit Komponenten

Der Konzern positioniert sich bewusst nicht als Brillenhersteller. Ams Osram liefert stattdessen die digitale Photonik im Hintergrund. Das Management kalkuliert mit einem Komponentenanteil von 50 bis 100 Euro je Datenbrille.

Setzt sich die Technologie auf dem Massenmarkt durch, winkt ein enormes Geschäft. Mittelfristig rechnet das Unternehmen mit jährlichen Umsätzen im dreistelligen Millionenbereich. Vorstandschef Aldo Kamper sieht smarte Brillen künftig als alltägliche Begleiter.

Frisches Geld für den Schuldenabbau

Operativ lieferte der Konzern zuletzt solide Zahlen. Im ersten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen 796 Millionen Euro Umsatz. Die bereinigte operative Marge erreichte 16,5 Prozent. Parallel dazu treibt das Management den Konzernumbau voran. Der geplante Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon bringt 570 Millionen Euro in bar.

Das Bundeskartellamt prüft den Deal aktuell. Eine Entscheidung fällt voraussichtlich noch im laufenden Quartal. Die Folge: Der Verschuldungsgrad des Unternehmens würde spürbar von 3,3 auf etwa 2,5 sinken. Insgesamt erwartet Ams Osram aus laufenden Verkäufen Erlöse von rund 670 Millionen Euro.

An der Börse kommt diese Mischung aus Fantasie und Bilanzdisziplin gut an. Die Aktie klettert am Montag um 3,47 Prozent auf 20,90 Euro. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Kursplus auf beeindruckende 145 Prozent.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 26,70 Euro beträgt aktuell rund 22 Prozent. Der Weg zurück zu dieser Marke hängt nun an klaren Terminen. Der nächste harte Impuls für den Kurs folgt mit dem anstehenden Kartellbeschluss zum Infineon-Deal.