Rund 122 Prozent Kursplus seit Jahresbeginn — und trotzdem beendet Ams Osram die Woche mit einem schmerzhaften Minus. Am Freitag verlor die Aktie über fünf Prozent und schloss bei 18,90 Euro. Der Wochenverlust summiert sich auf gut sechs Prozent.
Sektorkorrektur trifft einen ohnehin nervösen Titel
Der Rücksetzer ist kein Einzelphänomen. KI-Titel gerieten zuletzt unter Druck, weil Anleger die hohen Bewertungen im Halbleitersektor hinterfragen. Ams Osram zog mit nach unten — trotz moderaterer Bewertung als viele US-Wettbewerber.
Die Volatilität bleibt extrem. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 96,54 Prozent gehört der Titel zu den schwankungsintensivsten Papieren im europäischen Halbleitersektor. Der RSI liegt bei 45,8 — neutral, ohne klares Signal in eine Richtung. Immerhin: Der 50-Tage-Durchschnitt bei 18,86 Euro hält bislang.
Infineon-Deal wartet auf grünes Licht
Der wichtigste Kurzfrist-Katalysator ist die Entscheidung des Bundeskartellamts. Seit März 2026 prüft die Bonner Behörde den geplanten Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon. Der Kaufpreis: 570 Millionen Euro für Produkte, geistiges Eigentum sowie Test- und Laborausrüstung.
Ein weiteres Segment geht für 114 Millionen Euro an Ushio. Zusammen fließen rund 670 Millionen Euro in die Kassen. Das Unternehmen will damit die Nettoverschuldung im Verhältnis zum EBITDA von 3,3 auf 2,5 senken. Eine Freigabe durch das Kartellamt würde diesen Entschuldungsplan konkret machen — gerade angesichts wieder gestiegener Zinsen ein wichtiges Signal.
Q2 als nächster Prüfstein
Für das zweite Quartal erwartet Ams Osram Erlöse zwischen 725 und 825 Millionen Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll bei 15,5 Prozent liegen, plus oder minus 1,5 Prozentpunkte. Eingepreist ist dabei ein überdurchschnittlicher saisonaler Anstieg im Halbleitergeschäft sowie die vollständige Dekonsolidierung des Specialty-Lamps-Geschäfts.
Das erste Quartal lieferte eine solide Basis. Der Umsatz lag bei 796 Millionen Euro, die bereinigte EBITDA-Marge bei 16,5 Prozent — am oberen Ende der Prognosespanne. Der freie Cashflow drehte auf plus 37 Millionen Euro nach einem negativen Vorjahreswert.
Für das Gesamtjahr 2026 plant das Management einen freien Cashflow von über 300 Millionen Euro. Ab 2027 soll er dauerhaft positiv sein. Langfristig peilt der Konzern im Halbleitersegment mindestens 25 Prozent bereinigte EBITDA-Marge an — das Ziel für 2030.
Im Mai 2026 schloss Ams Osram eine Entwicklungsvereinbarung mit einem führenden KI-Photonik-Kunden. Das signalisiert: Das Unternehmen will sich jenseits des klassischen Automobilgeschäfts neu aufstellen. Ob dieser Schritt den Bewertungsabschlag gegenüber reinen KI-Halbleiteranbietern langfristig schließt, hängt vom Tempo der Umsetzung ab — und vom Urteil aus Bonn, das in den nächsten Handelstagen fallen dürfte.
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