Der Halbleiter- und Lichtkonzern ams-OSRAM forciert den Vorstoß in industrielle Robotikmärkte. Medienberichten zufolge positioniert das Unternehmen eine neuartige optische Kraft-Sensortechnologie gezielt für den Einsatz in Roboterhänden. Der optische Ansatz soll eine präzise Alternative zu bisher dominierenden piezoelektrischen Sensoren bieten und neue Anwendungsfelder in der Automatisierung erschließen.

Vorstoß in industrielle Robotikmärkte

Im industriellen Umfeld gewinnen hochsensible Greif- und Tastfähigkeiten bei Robotern rasant an Bedeutung. Bislang greifen Hersteller bei der Erfassung von Greifkräften überwiegend auf piezoelektrische Bauelemente zurück. Mit optischen Sensoren will ams-OSRAM technologische Vorteile ausspielen und Marktanteile in diesem wachsenden Technologiesegment erobern.

Am Aktienmarkt zeigten sich die Papiere des österreichisch-deutschen Konzerns zuletzt fest. Am Freitag schloss der Titel mit einem Zuwachs von 2,6 Prozent bei 18,05 Euro. Damit knüpft die Aktie an eine deutliche Erholung an: Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier ein Plus von 114 Prozent.

Digital Photonics und Portfolioumbau

Der Einstieg in neue Robotik-Anwendungen fügt sich in die strategische Neuausrichtung des Unternehmens ein. Zur Beschleunigung und Skalierung der Entwicklungspipeline wurden dedizierte Einheiten für den Bereich Digital Photonics geschaffen.

In diesem Zukunftsfeld treibt ams-OSRAM die Kommerzialisierung von Lösungen für Augmented-Reality-Brillen sowie optische Verbindungen voran. Im zweiten Quartal sicherte sich das Unternehmen in diesem Umfeld Design Wins im Rekordvolumen von 1,6 Milliarden Euro.

Parallel dazu treibt das Management die Bereinigung des Portfolios voran, um Mittel freizusetzen und Schulden abzutragen. Der Verkauf des nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorgeschäfts an Infineon für 570 Millionen Euro in bar wurde vor über einem Monat abgeschlossen.

Zudem vereinbarte ams-OSRAM im Mai den Verkauf des CMOS-Bildsensor-Geschäfts an Indie Semiconductors. Vor rund zwei Wochen folgte eine endgültige Vereinbarung über die Veräußerung der Wolfram- und Molybdän-Produktion in Schwabmünchen an The Elmet Group, deren Vollzug für das erste Quartal 2027 erwartet wird.

Fokus auf optische Kernkompetenzen

Neben neuen Anwendungsfeldern stützt sich das Geschäft weiterhin auf automobile Anwendungen und die traditionelle Beleuchtungssparte. Auf der Branchenmesse Automechanika Frankfurt präsentierte das Unternehmen jüngst Aftermarket-Lösungen, darunter das Nachrüst-Leuchtmittel NIGHT BREAKER LED SMART ECE H11, das für den Innovationspreis der Messe nominiert war.

Vor gut drei Wochen wies ams-OSRAM für das zweite Quartal einen Umsatz von 805 Millionen Euro sowie ein bereinigtes EBITDA von 136 Millionen Euro aus.

Für das dritte Quartal peilt das Management Erlöse in einer Spanne von 770 bis 870 Millionen Euro bei einer bereinigten operativen Marge von rund 16 Prozent an. Die Öffnung neuer Märkte in der Robotik zeigt, wie der Konzern seine verbleibenden Kernkompetenzen in der Photonik künftig breiter verwerten will.