Für Aktionäre von Ams Osram läuft eine wichtige Frist ab. Wer bei der Hauptversammlung am 10. Juni abstimmen möchte, muss seinen Anteilsbesitz bis zum 31. Mai nachweisen — das Record Date endet damit in dieser Woche. Im Hintergrund wartet das Unternehmen auf eine Behördenentscheidung, die über den Erfolg des gesamten Sanierungsplans entscheiden könnte.
Kartellamt prüft 570-Millionen-Deal
Seit dem 3. März liegt dem Bundeskartellamt der geplante Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon vor. Das Volumen: 570 Millionen Euro. Infineon übernimmt Sensorprodukte, geistiges Eigentum und rund 230 Mitarbeitende aus Forschung und Entwicklung.
Die Genehmigung wird noch im zweiten Quartal erwartet. Fällt sie positiv aus, sinkt der Verschuldungsgrad von 3,3 auf rund 2,5 — der größte Einzelhebel im gesamten Entschuldungsplan.
Seit Ende März kann Ams Osram hochverzinsliche Anleihen aus 2023 vorzeitig kündigen. Die Liquidität dafür stammt aus dem Infineon-Deal und einem Ushio-Geschäft über 114 Millionen Euro. Das Ziel ist konkret: Die jährlichen Finanzierungskosten sollen bis 2028 von bis zu 300 Millionen Euro auf unter 150 Millionen Euro sinken.
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JPMorgan verdoppelt Kursziel
Die Stimmung unter Analysten hat sich zuletzt gewandelt. JPMorgan hob das Kursziel auf 23,60 Franken — eine Verdopplung — und stufte die Aktie von „Neutral“ auf „Overweight“ hoch. Die Chancen im Bereich KI-Photonik würden realer, größer und schneller als gedacht, schrieb Analyst Craig McDowell. Hinzu komme ein größerer Wachstumsbeitrag durch MicroLED-Smartbrillen.
Die Bank geht in ihrem Basisszenario davon aus, dass Ams Osram rund 25 Prozent Marktanteil in einem Segment gewinnt, in dem Micro-LED-Technologie in Rechenzentren breite Anwendung findet — was bis Ende des Jahrzehnts rund 192 Millionen Euro KI-Photonik-Umsatz generieren würde. Eine Refinanzierung höherverzinslicher Schulden könnte die jährlichen Zinskosten um 80 bis 100 Millionen Euro senken, sofern Ams Osram Investment-Grade-Konditionen erreicht.
Kurs korrigiert nach Rekordlauf
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 23,00 Euro — 11,88 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 26,10 Euro, das erst am 25. Mai markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert dennoch um 170,59 Prozent erholt. Allein in den vergangenen 30 Tagen legte die Aktie um 82,54 Prozent zu. Die annualisierte Volatilität liegt bei 117,30 Prozent.
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Der Rücksetzer wird als technische Korrektur nach einer Phase extremer Kursgewinne interpretiert. Der RSI notiert bei 58,5 — ein Signal, dass die Überhitzung der Vorwochen abkühlt.
Hauptversammlung am 10. Juni
Die Hauptversammlung beginnt um 10:00 Uhr in Premstätten, Tobelbader Straße 30. Die Depotbestätigung muss spätestens bis zum 5. Juni bei der Gesellschaft eingehen. Auf der Tagesordnung stehen neben Standardthemen wie Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat auch Satzungsänderungen, die Aufhebung eines bedingten Kapitals aus 2017 und die Neuwahl von zwei Aufsichtsratssitzen.
Für Aktionäre rücken damit zwei Termine in den Vordergrund: die Hauptversammlung am 10. Juni und die noch ausstehende Kartellentscheidung. Ab 2027 will Ams Osram wieder einen positiven Free Cashflow erzielen. Die Kartellprüfung gilt als letzter großer Unsicherheitsfaktor auf dem Weg zur finanziellen Stabilisierung.
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