Das KI-Unternehmen Anthropic bereitet einen Börsengang vor, der sämtliche bisherigen Rekorde am Kapitalmarkt brechen könnte. Medienberichten vom heutigen Samstag zufolge strebt das Start-up eine Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar an. Damit würde das Unternehmen nicht nur seinen bisherigen Marktwert von etwa 900 Milliarden US-Dollar aus dem Frühjahr mehr als verdoppeln, sondern auch den für Juni verzeichneten Bewertungsrekord von SpaceX übertreffen.
Rekordumsatz stellt OpenAI in den Schatten
Die Ambitionen des Unternehmens werden durch einen massiven Wachstumsschub untermauert. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Anthropic einen Umsatz von 11,6 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht fast einer Verfünfzehnfachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem lediglich 787 Millionen US-Dollar erlöst wurden.
Besonders bedeutsam ist dabei die Verschiebung der Marktverhältnisse: Zum ersten Mal überholte Anthropic damit den Konkurrenten OpenAI, der im selben Zeitraum einen Umsatz von 6,7 Milliarden US-Dollar auswies.
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das Enterprise-Geschäft. Das Tool Claude Code generierte allein rund 8 Milliarden US-Dollar und sorgt dafür, dass die Programmierschnittstellen für Firmenkunden mittlerweile über 80 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.
Während Wettbewerber weiterhin mit hohen Verlusten kämpfen, meldete Anthropic für das abgelaufene Quartal erstmals ein positives bereinigtes operatives Ergebnis in Höhe von 559 Millionen US-Dollar. Die annualisierte Umsatzrate erreichte Ende Juli ein Niveau von über 65 Milliarden US-Dollar.
Eigene Chip-Entwicklung unter prominenter Leitung
Parallel zu den IPO-Vorbereitungen treibt das Unternehmen seine Unabhängigkeit von Hardware-Zulieferern voran. Wie gestern bekannt wurde, hat Anthropic Amir Salek verpflichtet, um die Entwicklung eigener Halbleiter zu leiten. Salek war zuvor bei Google für die Entwicklung der Tensor Processing Units (TPU) verantwortlich und gilt als einer der profiliertesten Architekten für KI-spezifische Rechenkerne.
Das Unternehmen baut derzeit ein dediziertes Team für Chip-Design auf, um die Abhängigkeit von externen Kapazitäten zu verringern. Bisher nutzt Anthropic für seine Modelle Infrastrukturen von Nvidia sowie Rechenzentren von Amazon und Google. Ergänzend dazu wurden bereits Chip-Bestellungen im Wert von 250 Millionen US-Dollar beim Spezialisten Fractile platziert und umfangreiche Kapazitätsvereinbarungen mit Anbietern wie Volta Infra geschlossen.
Vorbereitungen für die größte Kapitalerhöhung der Geschichte
Der geplante Börsengang wird laut Branchenberichten von einem Konsortium führender Investmentbanken begleitet, darunter Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan. Ein vertraulicher Entwurf für den Börsenprospekt wurde bereits im Juni bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Mit der Veröffentlichung der finalen IPO-Unterlagen wird noch für Ende August gerechnet.
Ziel des Börsengangs ist eine Kapitalerhöhung von über 100 Milliarden US-Dollar. Dies wäre der größte Erlös, den ein Unternehmen jemals bei einem IPO erzielt hat. Die frischen Mittel sollen vor allem in den Ausbau der Rechenkapazitäten fließen.
Anthropic nutzt bereits das Colossus-Rechenzentrum von SpaceX und hat Vereinbarungen über eine Energieversorgung von insgesamt fünf Gigawatt mit Partnern wie AWS und Broadcom getroffen. Ein Termin für das Börsendebüt wird für Oktober 2026 angestrebt.
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