Anthropic baut sein Agenten-Werkzeug Claude Cowork aus – und macht es damit für Nutzer deutlich flexibler. Bislang musste der Laptop durchgehend laufen, damit der KI-Agent im Hintergrund weiterarbeiten konnte. Mit dem neuen Update laufen Cowork-Sitzungen jetzt auch über den Browser und auf dem Smartphone weiter, unabhängig vom Gerätestatus.
Das klingt nach einem technischen Detail, trifft aber einen wunden Punkt vieler KI-Agenten: Sobald ein Laptop in den Standby geht, brechen viele Automatisierungen ab. Anthropic schließt diese Lücke nun mit Web- und Mobil-Zugängen und positioniert Cowork damit klarer als Werkzeug für durchgehende, geräteunabhängige Arbeitsabläufe im Unternehmenseinsatz.
Tracker-Entfernung nach Kritik
Parallel zu diesem Ausbau hat Anthropic eine versteckte Tracking-Funktion aus Claude Code entfernt. Ein Sicherheitsforscher hatte im Juni entdeckt, dass das Coding-Tool über verschlüsselte Signale in Systemprompts Standorte, Proxy-Nutzung und mögliche Verbindungen zu chinesischen KI-Laboren identifizierte – ohne dies offenzulegen. Ein Anthropic-Ingenieur bestätigte, die im März eingeführte Funktion habe unautorisierte Reseller und sogenannte Distillation-Angriffe aufspüren sollen, bei denen Konkurrenten Claude-Antworten zum Training eigener Modelle nutzen.
Der Vorgang reiht sich in eine längere Auseinandersetzung ein: Anthropic hatte im Februar chinesische Entwickler wie DeepSeek, Moonshot AI und MiniMax beschuldigt, über gefälschte Konten Millionen Claude-Antworten abgegriffen zu haben. Im Juni forderte CEO Dario Amodei vor dem US-Kongress schärfere Schutzmaßnahmen gegen solche Extraktionsversuche, nachdem Alibaba-nahe Akteure laut Anthropic fast 25.000 betrügerische Konten für 28,8 Millionen Claude-Interaktionen genutzt haben sollen. Alibaba selbst hatte Claude Code zuvor intern als Risiko-Software eingestuft und seinen Mitarbeitern die Nutzung untersagt.
Wachsendes Partnernetz
Während Anthropic seine Sicherheitsarchitektur nachjustiert, wächst das kommerzielle Ökosystem um Claude weiter. Die Analytics-Firma Fractal wurde als bevorzugter Servicepartner ins Claude Partner Network aufgenommen und bringt nach eigenen Angaben über 300 zertifizierte Claude-Praktiker in die Zusammenarbeit ein – darunter eine Lösung für Vertrags- und Beschaffungsprozesse, die bei über 350 Nutzern eine um 50 Prozent höhere Produktivität liefern soll.
Die Kombination aus technischer Nachbesserung und wachsendem Partnergeschäft zeigt, wie Anthropic zwei Baustellen gleichzeitig bearbeitet: Vertrauen in die eigene Software sichern und gleichzeitig die Enterprise-Basis von Claude verbreitern.
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