Anthropic setzt beim Ausbau seiner Rechenzentren auf eigene Stromerzeugung. Wie die Financial Times heute berichtet, sicherte sich das Unternehmen Ende September Generatoraufträge und Installationsleistungen für rund 3,4 Mrd. US-Dollar. Die gasbetriebenen Anlagen sollen eine Leistung von 1,7 GW liefern. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht unabhängig verifizieren; Anthropic und der Vertragspartner OnePWR Solutions kommentierten ihn nicht.

Generatoraufträge statt Firmenübernahme

Die Vereinbarung betrifft laut Financial Times Lieferzusagen für Caterpillar-Generatoren, die OnePWR Solutions aus San Antonio bereits zuvor bestellt hatte. Hinzu kommen Ingenieur- und Bauleistungen für die Installation. OnePWR bleibt dabei eigenständig und behält seine Beschäftigten.

Anthropic hatte dem Bericht zufolge zunächst Strom von OnePWR beziehen wollen. Mit der Übernahme der Generatorbestellungen rückt das Unternehmen selbst stärker in die Beschaffung der Stromversorgung seiner Rechenzentren. Die Financial Times bezeichnet die Vereinbarung als größte bekannte Einzelbeschaffung von Stromerzeugungsanlagen durch ein KI-Unternehmen.

Für Anthropic kann der Zugriff auf bereits bestellte Anlagen den Ausbau unterstützen, sofern Installation und Inbetriebnahme mit dem Bedarf der Rechenzentren zusammenpassen. Die vorgesehenen Standorte der Generatoren sind bislang unbekannt. Damit bleibt offen, welche konkreten Rechenzentren von der Vereinbarung profitieren sollen.

Stromversorgung wird zur Kostenfrage

Anthropic betrachtet die Verfügbarkeit von Strom als zentrales Hindernis beim Ausbau seiner Rechenzentren. Die Generatorvereinbarung adressiert damit einen Engpass der Infrastrukturstrategie. Ihr wirtschaftlicher Nutzen hängt allerdings auch davon ab, zu welchen laufenden Kosten die Anlagen Strom erzeugen können.

In seiner Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC vom 26. Oktober sieht Anthropic eigene Erdgasstromerzeugung an künftigen Rechenzentren vor. Brennstoff- und Transportkosten sind dabei nicht gedeckelt. Das Unternehmen nennt außerdem volatile Gaspreise und mögliche Versorgungsunterbrechungen als Risiken.

Für Anleger spricht die gesicherte Erzeugungskapazität für eine belastbarere Ausbauplanung, sofern Brennstoffversorgung und Betrieb wirtschaftlich tragfähig bleiben. Zugleich erhöht die eigene Stromerzeugung das Gewicht von Energiekosten und Infrastrukturentscheidungen für die weitere Entwicklung des Unternehmens.

Langfristige Verpflichtungen setzen den Rahmen

SEC-Unterlagen vom 2. November weisen Verpflichtungen von rund 895,4 Mrd. US-Dollar bis 2045 aus. Sie betreffen fast vollständig Rechenkapazität und Infrastruktur.

Die Generatorbeschaffung gehört damit zu einer langfristig angelegten Kapazitätsstrategie. Für deren Bewertung zählt neben dem Zugang zu Anlagen auch die Kostenverteilung: Anthropic sagte im Februar zu, bei eigenen Rechenzentren Netzausbau, neue Erzeugung und zurechenbare Strompreiserhöhungen zu bezahlen.

Die Vereinbarung stärkt die Versorgungsperspektive deshalb vor allem dann, wenn Anthropic diese zusätzlichen Verpflichtungen mit wirtschaftlich nutzbarer Rechenleistung verbinden kann.