Anthropic bereitet einen der bemerkenswertesten Börsengänge der jüngeren Tech-Geschichte vor – und will sich dabei absichern. Das Unternehmen holt sich von den Aktionären grünes Licht für eine Doppelklassen-Aktienstruktur, die den sieben Mitgründern die Stimmenmehrheit sichern soll. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Der Börsengang rückt näher.
Sieben Gründer, eine Mehrheit
Nach dem geplanten Modell würden CEO Dario Amodei und sein Gründerteam gemeinsam 50,1 Prozent der Stimmrechte bei den meisten Unternehmensentscheidungen kontrollieren. Das Konstrukt orientiert sich an einem Ansatz, den Palantir Technologies bereits bekannt gemacht hat: kollektive Kontrolle statt einzelner Übermacht.
Bemerkenswert dabei: Die individuellen Kapitalanteile der Gründer sind vergleichsweise gering. Die Sonderstimmrechte sollen deshalb über eine gemeinsame Gesellschaft gehalten werden, an der mindestens drei der sieben Gründer eine Mindestbeteiligung halten müssen.
Die neuen Gründeraktien tragen keinerlei zusätzlichen wirtschaftlichen Anspruch – sie dienen ausschließlich der Kontrolle. Das passt zu den persönlichen Zusagen der Gründer, jeweils 80 Prozent ihres privaten Vermögens zu spenden. Wirtschaftliche Beteiligung und Stimmrecht werden damit bewusst getrennt.
Der bestehende Long-Term Benefit Trust, dem unter anderem der frühere US-Notenbankchef Ben Bernanke angehört, soll seinen Einfluss trotz der Neuordnung behalten. Er ernennt weiterhin die Mehrheit der sieben Vorstandssitze, während die Gründer ihre eigene Vertretung im Gremium von zwei auf drei Sitze ausbauen.
Als zusätzliches Sicherungsnetz gegen Blockaden plant Anthropic, eine weitere Aktienklasse an Mitarbeiter auszugeben, die bei ausgewählten Streitfragen als Zünglein an der Waage fungieren soll.
Bewertung im Trillionen-Bereich
Der Hintergrund der Governance-Reform: Anthropic bereitet einen Börsengang vor, der für Ende Oktober oder November erwartet wird. Zuletzt wurde das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde im Mai mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Für den Börsengang wird nun ein Wert von rund zwei Billionen Dollar angepeilt – ein Sprung, der Anthropic zum wertvollsten Public Benefit Corporation in der Geschichte der US-Kapitalmärkte machen würde.
Die Struktur soll das Gründerteam vor dem Druck öffentlicher Märkte abschirmen und gleichzeitig den selbst auferlegten Unternehmensauftrag bewahren. Ob die Aktionäre der vorgeschlagenen Machtverteilung zustimmen, entscheidet sich in den kommenden Wochen – parallel zu den letzten Vorbereitungen für den Börsengang selbst.
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