Eric Schmidt sitzt womöglich auf einem der größten individuellen Börsengewinne der KI-Ära. Der frühere Google-Chef hält rund ein Prozent an Anthropic, und der geplante Börsengang rückt näher. Parallel dazu sorgt das KI-Unternehmen mit einer ungewöhnlichen Aktienzusage für Diskussionen.

Früher Investor mit großem Hebel

Schmidt stieg mit einem zweistelligen Millionenbetrag in der Series-A-Finanzierungsrunde ein. Ob er seither Anteile verkauft hat, ist unklar. Anthropic und Schmidts Vertreter äußerten sich zunächst nicht.

Die Bewertung beim IPO bleibt dabei ein Streitpunkt. Bei einem Investorentreffen kursierte zuletzt eine Marke von rund 1,5 Billionen Dollar, unter früheren Erwartungen von etwa 2 Billionen Dollar. Als frühe Geldgeber gelten zudem Amazon und Google, die Milliarden investierten und die nötige Cloud-Rechenleistung für die Claude-Modelle lieferten.

Fünf Prozent für das Gemeinwohl

Am Sonntag kündigte Anthropic an, fünf Prozent seiner Anteile in einen neuen Public Benefit Fund zu überführen. Der Fonds ist als hundertprozentige LLC konstruiert, nicht als gemeinnützige Stiftung. Das lasse Spielraum zwischen Spenden an Organisationen und direkten Zahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen. Lobbyarbeit und politische Spenden sind ausgeschlossen.

Der Verwaltungsrat kann weitere zwei Prozent zuführen, sobald der Unternehmenswert um 50 Prozent über eine bislang unbekannte Basis steigt. Hinzu kommen die Zusage der Mitgründer, 80 Prozent ihrer Anteile zu spenden, und ein Matching-Programm für Mitarbeiter. Insgesamt sollen laut Anthropic rund 20 Prozent der Anteile dem Gemeinwohl zugutekommen. Zur Besteuerung und zur Offenlegungspflicht des Fonds machte das Unternehmen keine Angaben.

Kritik kam prompt. Der Investor und frühere KI-Berater des Weißen Hauses, David Sacks, schrieb auf X, ob die Konstruktion tatsächlich dem Gemeinwohl diene, müsse sich erst zeigen. Elon Musk empfahl, Aktien direkt an die Öffentlichkeit zu geben, und versprach seinerseits, im kommenden Jahr jedem Kind in den USA eine SpaceX-Aktie zu schenken.

Regulierung als zweites Standbein

Zwei Tage vor der Fondsankündigung legte Anthropic Abgeordneten einen eigenen Entwurf für ein KI-Sicherheitsgesetz vor. Die Regierung könnte demnach die Freigabe eines Modells blockieren, das voraussehbar und unmittelbar Leben von mehr als 50 Menschen oder Schäden über einer Milliarde Dollar gefährdet. Eine Sperre müsste über das Handelsministerium und einen Gerichtsbeschluss laufen.

Governance-Struktur und Schwellenwerte des Fonds will Anthropic in den kommenden Monaten veröffentlichen. Der Börsengang könnte frühestens im November stattfinden.