Ein Apple-Foundry-Vertrag mit Intel, eine parabolische Kursrally bei Micron, ein Quartals-Feuerwerk von AMD, ein Patentsieg für Infineon und eine OpenAI-Partnerschaft für Qualcomm — die Handelswoche lieferte für jeden der fünf großen Chipwerte einen eigenen Kurstreiber. Alle fünf Aktien markierten am Freitag neue 52-Wochen-Hochs. Die Gründe dafür könnten unterschiedlicher kaum sein.
Intel: Apple bringt die Foundry-Wende
Intels Aktie schoss am Freitag um über 13 % nach oben und schloss bei 105,94 €. Der Auslöser: Apple und Intel haben sich auf eine vorläufige Vereinbarung geeinigt, wonach Intel künftig Teile der Apple-Chips fertigen soll. Mehr als ein Jahr lang liefen intensive Verhandlungen, in den vergangenen Monaten wurde der Deal formalisiert.
Die strategische Tragweite ist enorm. Apple lässt seine hochmodernen Chips bislang ausschließlich bei TSMC in Taiwan produzieren. Dass Cupertino nun Intel als zweiten Fertigungspartner ins Boot holt, ist das stärkste externe Gütesiegel für CEO Lip-Bu Tans Foundry-Strategie. Die US-Regierung, seit vergangenem Jahr größter Intel-Aktionär, spielte eine zentrale Rolle bei der Anbahnung.
Operativ zeigt sich die Trendwende bereits in den Q1-Zahlen: 13,6 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 7 % im Jahresvergleich. Die Data-Center-Sparte legte 22 % zu. Die Foundry soll 2027 den Break-even erreichen — gestützt auf Aufträge von Amazon, Microsoft, der US-Regierung und Tesla.
Die Analysten bleiben gespalten. Von 44 Experten empfehlen nur neun die Aktie zum Kauf, 31 raten zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 79,19 Dollar und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs. Mizuho hob das Ziel nach der Apple-Meldung auf 100 Dollar an. Der Markt preist offenkundig mehr ein, als die Mehrheit der Analysten bislang für möglich hält.
Micron: Der KI-Speicherhunger kennt kein Limit
Micron hat die Woche mit einem Plus von über 43 % abgeschlossen — die stärkste Wochenperformance seit Dezember 2008. Am Freitag legte die Aktie nochmals knapp 15 % zu auf 633,50 €. Die Marktkapitalisierung durchbrach die Marke von 800 Milliarden Dollar.
Treiber der Rally ist eine strukturelle Knappheit bei KI-optimiertem Speicher. Microns High-Bandwidth-Memory-Produkte HBM3E und HBM4 sind für das gesamte Kalenderjahr 2026 ausverkauft. Diese gestapelten Speicherchips ermöglichen KI-Prozessoren, riesige Datenmengen schneller und energieeffizienter zu verarbeiten — unverzichtbare Infrastruktur für jedes KI-Rechenzentrum.
Ganz ohne Turbulenzen verlief die Woche nicht. Bernstein warnte Mitte der Woche, dass die Spot-Preise für Speicher so stark gestiegen seien, dass einzelne OEMs und Modulhersteller bereits aus dem Markt gedrängt würden. NAND-Preise kletterten um 65 bis 70 %. Microns Kurs gab daraufhin kurzzeitig nach, erholte sich aber rasch.
Die Fundamentaldaten untermauern die Euphorie: Im zweiten Fiskalquartal 2026 meldete Micron 23,86 Milliarden Dollar Umsatz — ein Anstieg von 196 % gegenüber dem Vorjahr. Die Prognose für Q3 liegt bei 33,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über 25 Milliarden Dollar an Investitionsausgaben sind für das laufende Fiskaljahr eingeplant, um mit der Nachfrage Schritt zu halten.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Micron?
Alle 39 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel von 551,40 Dollar liegt allerdings weit unter dem aktuellen Handelsniveau — ein Zeichen dafür, wie schnell die Rally die Konsensschätzungen überholt hat.
AMD: Vom Herausforderer zum KI-Mitregenten
AMD lieferte ein Quartal, das die Wahrnehmung am Markt grundlegend verschoben hat. Der Q1-Umsatz erreichte 10,25 Milliarden Dollar, ein Plus von knapp 38 % im Jahresvergleich. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,37 Dollar über der Konsensschätzung von 1,28 Dollar. Die Aktie sprang am Tag der Veröffentlichung um über 17 % nach oben.
Das Herzstück der Neubewertung: Die Rechenzentrums-Sparte erzielte 5,775 Milliarden Dollar Umsatz, 57 % mehr als im Vorjahr. Sowohl OpenAI als auch Meta haben Lieferverträge für AMDs Helios-Rack-System unterzeichnet. AMD ist damit nicht länger nur Nvidias Schatten, sondern eine echte Alternative für Hyperscaler, die dringend KI-Rechenkapazität sichern wollen.
Die Q2-Prognose von rund 11,2 Milliarden Dollar übertraf die Konsensschätzung von 10,5 Milliarden ebenfalls deutlich.
Die Upgrade-Welle nach den Zahlen fiel entsprechend kräftig aus:
- Bernstein stufte AMD von „Market Perform“ auf „Outperform“ hoch und verdoppelte das Kursziel nahezu auf 525 Dollar
- KeyBanc hält mit 530 Dollar das höchste Ziel an der Wall Street
- Barclays, Cantor Fitzgerald und TD Cowen setzen jeweils 500 Dollar an
- Bank of America hob auf 450 Dollar an
Bei einem Schlusskurs von 386,15 € handelt AMD mittlerweile zum 137-fachen des Gewinns. Ein ambitioniertes Niveau — das der Markt bislang bereit ist zu zahlen.
Infineon: Patentsieg stärkt die GaN-Dominanz
Während die US-Konkurrenz mit Quartalszahlen glänzte, errang Infineon einen juristischen Erfolg mit strategischer Reichweite. Die vollständige Kommission der U.S. International Trade Commission (ITC) bestätigte, dass der chinesische Wettbewerber Innoscience ein Infineon-Patent im Bereich Galliumnitrid-Technologie (GaN) verletzt hat. Die Behörde ordnete Import- und Verkaufsverbote gegen Innoscience an. Die Entscheidung unterliegt einer 60-tägigen Prüfungsfrist durch den US-Präsidenten.
GaN-Halbleiter ermöglichen besonders leistungsfähige und energieeffiziente Stromversorgungssysteme — in erneuerbaren Energien, KI-Rechenzentren, der Industrieautomation und bei Elektrofahrzeugen. Infineon verfügt über rund 450 GaN-Patentfamilien und damit über das breiteste IP-Portfolio der Branche.
Parallel läuft in Deutschland ein Verfahren am Landgericht München. Bereits im August 2025 stellte das Gericht eine Patentverletzung durch Innoscience fest. Weitere Verhandlungstermine sind für Juni 2026 angesetzt.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Micron?
Operativ hob Infineon die Umsatzwachstumsprognose für das Geschäftsjahr 2026 von „moderat“ auf „signifikant“ an. Am 6. Mai meldete das Unternehmen einen Gewinn je Aktie von 0,34 € bei einem Umsatz von 3,79 Milliarden Euro. Die Aktie schloss am Freitag bei 62,11 € — ein Plus von knapp 6 % am Tag und 46 % im Monatsvergleich. Von 24 Analysten empfehlen 21 den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 52,02 €. Auch hier handelt die Aktie bereits oberhalb des Konsens.
Qualcomm: Drei Katalysatoren auf einmal
Qualcomm vereinte in einer einzigen Woche gleich drei positive Impulse: starke Quartalszahlen, neue Chip-Plattformen und eine KI-Partnerschaft mit OpenAI. Die Aktie legte am Freitag 7,62 % zu auf 185,90 € und erreichte im Tagesverlauf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 223,66 Dollar.
Die Q2-Zahlen übertrafen die Erwartungen: 10,6 Milliarden Dollar Umsatz, bereinigter Gewinn von 2,65 Dollar je Aktie — über der Konsensschätzung von 2,56 Dollar.
Der Automotive-Bereich entwickelt sich zum strukturellen Wachstumspfeiler. Die annualisierte Automotive-Run-Rate überschritt in Q2 die Marke von fünf Milliarden Dollar. Für Q3 stellte das Management ein Wachstum von rund 50 % gegenüber dem Vorjahr in Aussicht.
Gemeinsam mit MediaTek entwickelt Qualcomm einen KI-optimierten Smartphone-Chip für OpenAI. Der chinesische Hersteller Luxshare übernimmt das Co-Design und die Produktion. Die Serienfertigung ist für 2028 geplant. Parallel stellte Qualcomm die neuen Snapdragon-6-Gen-5- und Snapdragon-4-Gen-5-Plattformen vor, die KI-Funktionen in die Mittelklasse und Einstiegssegmente tragen.
Ein strukturelles Risiko bleibt: Apples sukzessiver Abschied von Qualcomm-Modems. CFO Palkhiwala bestätigte, dass Qualcomms Anteil beim diesjährigen iPhone-Launch bei etwa 20 % liegt — ohne Aussicht auf eine darüber hinausgehende Produktbeziehung. BNP Paribas hatte die Aktie bereits im April auf „Neutral“ abgestuft. Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei rund 151 Dollar.
Fünf Aktien, fünf verschiedene Wachstumsmotoren
Die Woche offenbart einen Halbleiter-Sektor, der sich in klar unterscheidbare Teilnarrative aufgefächert hat:
- Micron profitiert von einer strukturellen KI-Speicherknappheit, die HBM-Kapazität zu einer eigenen Währung macht
- Intel verwandelt sich unter Lip-Bu Tan zum Foundry-Player — der Apple-Deal ist der bislang deutlichste Beleg dafür
- AMD steigt vom Herausforderer zum gleichberechtigten KI-Anbieter auf, formalisiert durch Bernsteins Kursziel-Verdopplung
- Qualcomm kompensiert den Apple-Modem-Verlust durch Automotive und KI-Geräte
- Infineon verteidigt seine GaN-Marktstellung per Patentrecht — in einer Technologie, die EV, erneuerbare Energien und KI-Rechenzentren verbindet
Der gemeinsame Nenner aller fünf Namen: die explodierende Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Nvidia und AMD benötigen massive Mengen an Speicher, Foundry-Kapazitäten und Energieeffizienztechnologien. Jeder der fünf Werte besetzt eine andere Position in dieser Wertschöpfungskette.
Volle Katalysator-Pipeline bis zum Sommer
Die kommenden Wochen bringen für jeden der fünf Titel potenziell kursbewegende Termine. Microns nächster Quartalsbericht steht im Juli an — bis dahin werden Spot-Preise für Speicher und HBM-Vertragsdaten den Ton angeben. Bei Intel entscheidet die 60-tägige Prüfung durch das Weiße Haus über den Apple-Deal. Die Q2-Prognose von 14,33 Milliarden Dollar Umsatz gibt zudem einen klaren Maßstab vor.
AMD muss im zweiten Halbjahr die Skalierung des MI450-GPUs und die Helios-Auslieferungen unter Beweis stellen. Qualcomm-CEO Cristiano Amon hat für den 24. Juni einen Investorentag zu Rechenzentren und Physical AI angekündigt. Und für Infineon könnten die Münchner Patentverhandlungen im Juni die GaN-Dominanz weiter zementieren.
Die Frage, ob die KI-Nachfrage real ist, stellt sich nicht mehr. Entscheidend ist nun, welche Unternehmen über die Technologie, die Lieferketten und die IP-Positionen verfügen, um den dauerhaftesten Anteil daran zu sichern.
Micron-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Micron-Analyse vom 9. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Micron-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Micron-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 9. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Micron: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


