Applied Digital meldet einen operativen Meilenstein. Der Konzern hat die Marke von 1 Gigawatt an vertraglich gesicherter KI-Infrastrukturkapazität erreicht. An der Börse zählt das aktuell wenig: Die Aktie stürzte in den vergangenen 30 Tagen um 44,18 Prozent ab.
Vom Krypto-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter
Applied Digital hat sich in den vergangenen Jahren neu erfunden. Aus dem früheren Krypto-Mining-Unternehmen wurde ein Anbieter für High-Performance-Computing und KI-Rechenzentren. Der jüngste Ausbau zeigt, wie weit dieser Wandel inzwischen fortgeschritten ist.
Am Campus Polaris Forge 1 in Ellendale, North Dakota, ging Phase 1 von Building 2 ans Netz. Die Anlage liefert zusätzliche 75 Megawatt. Damit steigt die operative Kapazität am Standort von ursprünglich 100 auf 175 Megawatt.
Der gesamte Campus ist langfristig an CoreWeave vermietet. Die Verträge laufen rund 15 Jahre und sollen Applied Digital Einnahmen von etwa 11 Milliarden US-Dollar bringen. Diese Größenordnung erklärt, warum das Management den Ausbau vorantreibt, obwohl der Aktienkurs gerade einbricht.
Umsatz explodiert, Kapital fließt
Im zweiten Fiskalquartal 2026 meldete Applied Digital einen Umsatz von 126,6 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 250 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zusätzlich sicherte sich der Konzern eine unbefristete Vorzugskapital-Fazilität über 5 Milliarden US-Dollar mit Macquarie Asset Management.
Das Geld dürfte in den weiteren Ausbau der AI-Factory-Campusse fließen. Institutionelle Investoren halten weiterhin 65,67 Prozent der Aktien — ein Signal, dass große Anleger trotz der Kursturbulenzen an Bord bleiben.
Charttechnik zeigt überverkaufte Lage
Der Kurs schloss am Freitag bei 22,14 Euro, ein Tagesminus von 4,16 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 43,48 Euro, erreicht erst Ende Mai, trennen die Aktie inzwischen fast 49 Prozent.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 26,2 Punkten. Werte unter 30 gelten technisch als überverkauft. Der Kurs notiert zudem unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten — dem 50-Tage-, dem 100-Tage- und dem 200-Tage-Mittel.
Diese Diskrepanz zwischen operativen Erfolgen und Kursentwicklung wirft Fragen auf. Auf Jahressicht steht die Aktie mit 135,53 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn sind es noch 2,03 Prozent. Der jüngste Absturz hat den Großteil dieser Gewinne aufgezehrt.
Ende Juli will Applied Digital seine Zahlen zum vierten Fiskalquartal und zum Gesamtjahr 2026 vorlegen. Die Telefonkonferenz findet nach Börsenschluss statt. Investoren dürften dann genau darauf achten, ob sich der Vertragsausbau bereits in konkreten Cashflows niederschlägt.
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