Applied Digital sichert sich frischen Strom für seine KI-Ambitionen. Der Versorger Cleco aus Louisiana plant den Bau eines Gaskraftwerks mit 756 Megawatt Leistung – speziell für den Datacenter-Betreiber. Die Meldung platzt mitten in eine Woche, in der die Aktie ohnehin schon stark schwankt.

Ein Kraftwerk nur für ein Rechenzentrum

Das neue Kraftwerk entsteht in Rapides Parish, Louisiana. Es soll künftig ein einziges Rechenzentrum von Applied Digital versorgen: die im Bau befindliche 430-Megawatt-Anlage in derselben Region. Die Dimension zeigt, wie groß der Stromhunger moderner KI-Infrastruktur mittlerweile ist.

Für Applied Digital ist der Deal mit Cleco mehr als nur eine Randnotiz. Das Unternehmen wandelt sich gerade vom klassischen Hoster digitaler Assets zum spezialisierten Anbieter für High-Performance-Computing. Strom ist dabei der Flaschenhals der gesamten Branche – wer sich frühzeitig eine Versorgung sichert, verschafft sich einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern, die noch auf Netzanschlüsse warten.

Der Schritt reiht sich in eine Serie großer Finanzierungsrunden ein. Erst im Juni platzierte Applied Digital besicherte Anleihen im Volumen von 1,59 Milliarden Dollar, um den Ausbau seines Polaris-Forge-1-Campus zu stemmen. Das Kraftwerksprojekt in Louisiana passt damit ins Gesamtbild eines Unternehmens, das aggressiv in physische Infrastruktur investiert.

Aktie zwischen Erholung und Nervosität

An der Börse zeigt sich diese Woche eine ambivalente Stimmung. Die Aktie schloss zuletzt bei 26,36 Euro, nur leicht im Plus. Auf Wochensicht steht dennoch ein Anstieg von 14,11 Prozent zu Buche – eine spürbare Erholung nach einem Kurseinbruch von rund 34 Prozent im Monatsverlauf.

Vom Jahreshoch bei 43,48 Euro, erreicht Ende Mai, bleibt der Titel noch fast 40 Prozent entfernt. Die annualisierte Volatilität von knapp 74 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt den gesamten „Neocloud“-Sektor derzeit handelt. Ruhe sieht anders aus.

Zahlen Ende Juli als nächster Prüfstein

Die Kraftwerksnachricht kommt nur wenige Tage vor einem weiteren wichtigen Termin. Applied Digital veröffentlicht in der letzten Juliwoche seine Zahlen zum vierten Geschäftsquartal und zum Gesamtjahr 2026. Analysten erwarten einen Quartalsumsatz zwischen 92,5 und 95,3 Millionen Dollar.

Der Optionsmarkt preist bereits eine mögliche Kursbewegung von rund 13 Prozent nach der Veröffentlichung ein. Das zeigt: Anleger rechnen mit einer heftigen Reaktion, so wie es bei diesem Titel in der Vergangenheit häufiger vorkam. Neben dem reinen Umsatzwachstum dürfte vor allem der Fortschritt der „AI Factory“-Projekte im Mittelpunkt der Telefonkonferenz stehen.

Mit einem RSI von 40,9 bewegt sich die Aktie derzeit in neutralem Terrain – weder überkauft noch überverkauft. Die kommenden Tage werden zeigen, ob das neue Kraftwerksprojekt in Louisiana als Wachstumssignal ankommt oder ob die Zahlen Ende Juli die eigentliche Richtung vorgeben.