Gegen Applovin formiert sich juristischer Widerstand von Anlegerseite. Gestern kündigten Anwaltskanzleien eine Wertpapiersammelklage gegen das Werbetechnologieunternehmen an. Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen mutmaßlich irreführende Angaben des Managements über die Entwicklungsfortschritte konzerneigener KI-Modelle.

Zudem betreffen die Anschuldigungen ein Softwarewerkzeug für generative Videowerbung. Die Vorwürfe stellen bisher reine Behauptungen dar und sind nicht gerichtlich festgestellt.

Vorwürfe um Kinderschutz und Werbedaten

Parallel dazu gerät das Unternehmen durch Behörden unter Druck. Am heutigen Dienstag reichte der kalifornische Bezirk San Diego County eine Klage gegen Applovin ein. Dem Anbieter wird vorgeworfen, mit seiner Software Kindersicherungen umgangen zu haben. Dadurch sei Minderjährigen unangemessene Werbung angezeigt worden. Zudem soll das System sensible Nutzerdaten trotz aktiver Schutzmechanismen und Widersprüchen gesammelt haben.

Darüber hinaus werfen die Kläger Applovin vor, die gegenüber Werbekunden abgerechneten Interaktionen künstlich aufgebläht zu haben. Der Bezirk verlangt vor Gericht Unterlassungsverfügungen, Entschädigungen sowie zivilrechtliche Strafen nach kalifornischem Wettbewerbsrecht. Auch in diesem Verfahren liegen bislang keine gerichtlichen Urteile vor.

Ungelöster Rechtsstreit mit Unity

Die neuen Verfahren belasten das Unternehmen in einer Phase anhaltender juristischer Verflechtungen. Am 29. September hatte Applovin selbst Klage gegen den Rivalen Unity vor dem San Francisco Superior Court erhoben. Der Vorwurf lautete, Unity habe über das Ad Quality SDK unberechtigt Daten zu Applovin-Werbeanzeigen gesammelt, um eigene Modelle zu trainieren.

Unity wies die Darstellung zurück. Am 1. Oktober lehnte das zuständige Gericht einen Antrag von Applovin auf Erlass einer einstweiligen Verfügung ab. Das Hauptsacheverfahren bleibt damit ungeklärt.

Anhaltende Skepsis am Markt

An der Börse sorgt die Häufung der juristischen Baustellen für Zurückhaltung. Nach einer tagelangen Verlustserie verzeichnete das Papier gestern zwar eine Gegenbewegung. Marktbeobachter sahen darin jedoch eine reine technische Erholung nach vorangegangenen Verkäufen und keinen operativen Wendepunkt.

Seit Jahresanfang verzeichnete die Aktie einen Wertverlust von 58 Prozent. Am heutigen Dienstag notiert das Papier bei 252,50 Euro und liegt 6,9 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.