Governance-Krisen, Kapitalerhöhungen und milliardenschwere Auftragsbücher treffen in dieser Woche aufeinander. Während DroneShield mit einer behördlichen Untersuchung kämpft und Red Cat Aktien im Wert von 225 Millionen Dollar platziert, sichern sich Renk, Kongsberg und OHB strategische Weichenstellungen für die nächsten Jahre. Der Rüstungssektor zeigt sich so zweigeteilt wie selten zuvor — operativ stark, aber vom Markt mit harter Hand bewertet.
Renk: CEO bis 2032 verlängert, Kurs am Jahrestief
Der Aufsichtsrat hat den Vertrag von CEO Dr. Alexander Sagel vorzeitig um fünf Jahre bis 2032 verlängert. Ein Signal für Kontinuität beim Augsburger Antriebsspezialisten — und gleichzeitig ein Kontrastprogramm zur Kursentwicklung. Die Aktie notiert heute bei 44,13 Euro, ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 20 % an Wert verloren.
Operativ liefert Renk ein anderes Bild. Das erste Quartal 2026 brachte einen Auftragseingang von 582 Millionen Euro — der höchste Wert zum Auftakt eines Geschäftsjahres in der Unternehmensgeschichte. Der Umsatz stieg um 4 % auf 284 Millionen Euro, die bereinigte EBIT-Marge lag bei 15 %. Bis 2030 sollen rund 90 % der Erlöse aus dem Verteidigungssegment stammen.
Die Analysten bleiben konstruktiv. JPMorgan hält an einem Kaufrating mit Kursziel 75 Euro fest. Der Konsens liegt bei knapp 68 Euro — mehr als 50 % über dem aktuellen Niveau. Anleger honorieren die fundamentale Stärke bislang nicht, die Lücke zwischen Bewertung und operativer Dynamik bleibt auffällig groß.
DroneShield: Australiens Finanzaufsicht ermittelt — Vertrauenskrise trotz Rekordumsatz
Die australische Wertpapieraufsicht ASIC hat eine formelle Untersuchung gegen DroneShield eingeleitet. Im Fokus stehen Veröffentlichungen und Informationen, die zwischen dem 1. und 20. November 2025 an die Börse übermittelt wurden — sowie Aktienhandel im Zeitraum vom 6. bis 12. November 2025.
Die Brisanz liegt im Detail. In genau dieser Woche verkauften der damalige CEO Oleg Vornik, Chairman Peter James und Director Jethro Marks ihre gesamten Anteile im Gesamtwert von 66,8 Millionen australischen Dollar. Am 10. November meldete DroneShield drei Aufträge über insgesamt 7,6 Millionen Dollar — und zog die Mitteilung später zurück, da es sich nicht um neue Bestellungen handelte.
Beide Führungskräfte sind mittlerweile ausgeschieden. Vornik trat im April als CEO zurück, sein Nachfolger ist Angus Bean. James wird beim nächsten Aktionärstreffen Ende Mai den Vorstand verlassen. Das operative Geschäft bleibt indes robust:
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- Umsatz Q1 2026: 74,1 Millionen australische Dollar — mehr als eine Verdopplung zum Vorjahr
- Kundenzahlungen: 77,4 Millionen australische Dollar
- Kassenbestand: 222,8 Millionen australische Dollar, schuldenfrei
Die Aktie notiert bei 2,04 Euro, rund 44 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Bell Potter hält an einem Kaufrating mit Ziel 4,80 australische Dollar fest. Jefferies warnt hingegen, dass Teile des Umsatzes vorgezogen worden sein könnten. Die Ermittlungen dürften sich über Monate hinziehen — und die Unsicherheit bleibt ein Belastungsfaktor, solange keine Ergebnisse vorliegen.
Kongsberg Gruppen ASA: Rekordaufträge nach Abspaltung, Aktie gibt nach
Kongsberg hat im April die Abspaltung von Kongsberg Maritime abgeschlossen und ist nun ein reiner Verteidigungs- und Aerospace-Konzern. Die Neuaufstellung spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Die Umsatzprognose für 2026 wurde von 49,6 auf 41,2 Milliarden Kronen nach unten korrigiert, die Gewinnschätzung je Aktie fiel von 7,63 auf 6,52 Kronen. Kein Zeichen von Schwäche — sondern das mechanische Ergebnis einer kleineren Konzernstruktur.
Die reinen Verteidigungszahlen überzeugen. Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 26 % auf 9,2 Milliarden Kronen. Das EBIT legte um 55 % zu und erreichte 1,5 Milliarden Kronen bei einer Marge von 16,6 %. Getragen wurde das Ergebnis vor allem durch die starke Auslastung bei Luftverteidigung und Raketenprogrammen.
Besonders bemerkenswert: Der Auftragseingang erreichte mit 27 Milliarden Kronen einen neuen Rekordwert. Die Aktie handelt dennoch bei rund 309 Kronen und hat im vergangenen Monat über 25 % verloren. Der Analystenkonsens liegt bei 367 Kronen, die Spanne reicht von 280 bis 450 Kronen. Am 10. Juni steht ein Kapitalmarkttag an — die erste große Gelegenheit für das Management, dem Markt einen klaren Finanzrahmen für den reinen Verteidigungskonzern zu präsentieren.
OHB SE: Europäisches Spaceplane-Projekt rückt in Reichweite
Zusammen mit Dassault Aviation bewirbt sich OHB um eines der ambitioniertesten europäischen Raumfahrtprojekte der vergangenen Jahrzehnte. Das Konsortium hat der ESA das Konzept VORTEX-S vorgeschlagen — ein wiederverwendbares Weltraumflugzeug für Transporte zu Raumstationen und autonome Orbitmissionen. Dassault übernimmt dabei die Rolle des Hauptarchitekten und Systemintegrators, OHB verantwortet das Servicemodul.
Das Projekt ist Teil der ESA-Initiative ALADDIN. Die Bewertung der Phase-2-Angebote wird bis Mitte 2026 erwartet. Operative Flüge sind frühestens Anfang der 2030er Jahre realistisch — ein Langfristprogramm mit erheblichem institutionellem Finanzierungspotenzial.
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Die OHB-Aktie gehört mit einem Kursanstieg von über 300 % innerhalb eines Jahres zu den stärksten Performern im europäischen Verteidigungs- und Raumfahrtsektor. Die Bewertung spiegelt die hohen Erwartungen wider: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 64,6 auf Basis der letzten zwölf Monate. Analysten erwarten für das kommende Jahr ein Umsatzwachstum von 19 % und ein EPS-Plus von 6 %. Der Konsens lautet Kaufen.
Red Cat: Rekordumsatz trifft auf massive Verwässerung
Red Cat hat eine Kapitalerhöhung über 225 Millionen Dollar abgeschlossen. 23,9 Millionen Aktien wurden zu einem Preis von 9,40 Dollar je Stück platziert, zusätzlich besteht eine Option auf weitere 3,6 Millionen Aktien. Der Abschluss wird für den 14. Mai erwartet. Die Aktie reagierte mit einem Rückgang von 5,7 % auf 8,80 Euro.
Die Kapitalmaßnahme ist bereits die zweite große Emission in weniger als einem Jahr — im September 2025 hatte Red Cat bereits 150 Millionen Dollar über eine Aktienplatzierung eingesammelt. Eine laufende Shelf-Registrierung über 300 Millionen Dollar sorgt zusätzlich für ein permanentes Verwässerungsrisiko im Hintergrund.
Das operative Geschäft erzählt eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 15,5 Millionen Dollar — ein Plus von 849 % zum Vorjahr. Die Bruttomarge drehte von minus 52 % auf plus 12,7 %. Die Black-Widow-Drohne ist in mehreren Einsatzgebieten aktiv, unter anderem in der Ukraine, und wurde in die Lattice-Plattform von Anduril integriert. Das mittelfristige Umsatzziel liegt bei 150 bis 180 Millionen Dollar jährlich, die Bruttomarge soll in Richtung 30 % steigen.
Needham erhöhte das Kursziel auf 20 Dollar bei Kaufempfehlung. Ladenburg Thalmann stufte die Aktie auf „Strong Buy“ hoch. Die Bewertung mit dem 20-Fachen des Trailing-Umsatzes preist allerdings bereits erhebliches Wachstum ein.
Verteidigungssektor zwischen Auftragsboom und Marktskepsis
Die Ereignisse dieser Woche verdichten sich zu einem klaren Muster:
- Operative Stärke ist kein Selbstläufer an der Börse — Renk, Kongsberg und DroneShield liefern Rekordzahlen, stehen aber unter Kursabgabedruck
- Governance zählt mehr denn je: DroneShields ASIC-Ermittlung zeigt, wie schnell Vertrauensverlust Bewertungsprämien auslöschen kann
- Kapitaleffizienz wird zum Differenzierungsmerkmal — Red Cats wiederholte Verwässerung stößt bei Anlegern auf Widerstand
- Strategische Partnerschaften wie OHBs VORTEX-S-Bid schaffen langfristige Positionierung, die der Markt mit Aufschlägen honoriert
Strukturell bleibt die Nachfrage intakt. Steigende NATO-Budgets treiben mehrjährige Investitionszyklen in Luftverteidigung, Drohnentechnologie und Antriebssysteme. Die entscheidenden Katalysatoren der kommenden Wochen sind klar definiert: DroneShield muss unter neuer Führung Vertrauen zurückgewinnen. Red Cat muss zeigen, dass die frischen Mittel in Margenexpansion fließen und nicht zur Gewohnheit werden. Bei OHB fällt mit der ESA-Entscheidung zur Phase 2 eine Weichenstellung. Und Kongsberg kann beim Kapitalmarkttag am 10. Juni erstmals den finanziellen Rahmen für den reinen Verteidigungskonzern abstecken. Für Renk bleibt die zentrale Frage, ob der verlängerte CEO-Vertrag und die Rekordaufträge endlich den Boden für eine Kurserholung bilden.
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