ASML-Chef Christophe Fouquet will die Vergütung der Führungskräfte stärker an die Erfahrungen der Beschäftigten knüpfen. Einem internen Memo zufolge soll Mitarbeiterfeedback in Boni und langfristige Vergütungsbestandteile einfließen.
Darüber berichten heute Medien. Für Anleger rückt damit die Umsetzung des Produktionsausbaus in den Blick: ASML will mehr Anlagen liefern, während die Mitarbeiterbefragung eine rückläufige Bindung an das Unternehmen signalisiert.
Befragung erhöht den Handlungsdruck
An der jährlichen Mitarbeiterbefragung beteiligten sich mehr als 38.000 der rund 44.000 Beschäftigten. Die Rückmeldungen geben damit einen breiten Einblick in die Stimmung nach einer größeren Umstrukturierung.
Der geplante Vergütungsmechanismus soll diese Rückmeldungen unmittelbar für die Führung relevant machen. Wie hoch der daran gebundene Anteil ausfallen soll, geht aus dem Memo allerdings nicht hervor. Die finanzielle Bedeutung des Vorhabens lässt sich deshalb noch nicht beziffern.
Der Engagement-Index sank auf 73,5 Prozent nach 78 Prozent im Vorjahr. Zudem bilden sechs Fragen einen neuen „Workplace Experience Index“, der die Erfahrungen am Arbeitsplatz erfasst.
Damit steht zunächst die Richtung fest, nicht aber die konkrete Ausgestaltung der Vergütungsanreize. Für Anleger wäre entscheidend, ob ASML damit die Folgen der Umstrukturierung auffangen und die Belegschaft beim geplanten Ausbau mitnehmen kann.
Im Januar hatte ASML mögliche Stellenstreichungen von 1.700 angekündigt. Später rechnete das Unternehmen mit weniger Entlassungen als zunächst geplant. Der Stellenabbau und die rückläufigen Befragungswerte bilden den Hintergrund für Fouquets Vorstoß; ein ursächlicher Zusammenhang ist damit nicht belegt.
Produktionsausbau verlangt interne Stabilität
Die Personalinitiative fällt in eine Phase hoher operativer Anforderungen. Laut Fouquet übersteigt die Kundennachfrage für 2027 und 2028 die geplante Versorgung. Als Treiber nennt er Investitionen in künstliche Intelligenz und die Nachfrage nach EUV-Anlagen.
ASML prüft deshalb zusätzliche Kapazitäten über die bisherigen Ausbaupläne hinaus. Kunden erkundigen sich bereits nach späteren Lieferungen. Solche Anfragen sind allerdings noch keine formellen Bestellungen und dürfen nicht mit gesichertem Auftragseingang gleichgesetzt werden.
Vor rund zwei Wochen hatte ASML seine Umsatzprognose angehoben und eine beschleunigte Produktion angekündigt. Die Vergütungsinitiative ergänzt diese operative Agenda um eine interne Aufgabe: Die Führung soll sich künftig auch daran messen lassen, wie Beschäftigte ihren Arbeitsplatz erleben.
Für die Bewertung des Vorstoßes bleiben zwei Punkte zentral: die noch offene Gewichtung des Mitarbeiterfeedbacks in der Vergütung und die Entwicklung der nächsten Befragung. Erst daran ließe sich erkennen, wie verbindlich ASML den angekündigten Anspruch umsetzt.
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