Der US-Pharmakonzern zahlt für den Spezialisten für psychedelische Therapien einen Barpreis von 2,8 Milliarden US-Dollar, was 6,75 US-Dollar pro Aktie entspricht. Durch zusätzliche bedingte Wertrechte (Contingent Value Rights, CVR) könnte das Gesamtvolumen der Transaktion auf bis zu 3,8 Milliarden US-Dollar steigen.

Finanzielle Details und Meilensteinzahlungen

Das Barangebot von 6,75 US-Dollar entspricht laut Unternehmensangaben einem Aufschlag von rund 40 Prozent gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten 30 Tage. Die Aktie von AtaiBeckley reagiert am Donnerstag mit einem deutlichen Kurssprung von 32,98 Prozent auf 6,25 Euro. Damit notiert das Papier aktuell rund 59,19 Prozent über seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 50 Tage, was die heftige Marktreaktion auf die Offerte unterstreicht.

Zusätzlich zur Barzahlung erhalten die Aktionäre CVR-Anrechte im Wert von bis zu 2,50 US-Dollar je Aktie. Diese Zahlungen sind an drei konkrete klinische und regulatorische Meilensteine geknüpft: Ein Dollar wird fällig, wenn die Phase-3-Studie für den Wirkstoffkandidaten VLS-01 innerhalb von vier Jahren nach Abschluss des Deals beginnt. Weitere 0,50 US-Dollar hängen von der US-Zulassung für BPL-003 ab. Ein finaler Dollar wird gezahlt, falls VLS-01 innerhalb von sieben Jahren die Zulassung und eine entsprechende Neueinstufung durch die US-Drogenbehörde DEA erhält.

Fokus auf therapieresistente Depressionen

Im Zentrum der Akquisition steht der Wirkstoffkandidat BPL-003, ein Nasenspray auf Basis von 5-MeO-DMT zur Behandlung therapieresistenter Depressionen (TRD). Das Mittel besitzt den Status einer „Breakthrough Therapy“ der FDA und befindet sich bereits in der Phase 3 der klinischen Erprobung. Erste Ergebnisse dieser Studie werden für das Jahr 2029 erwartet. Laut Eli Lilly zeigten Daten aus der vorangegangenen Phase 2b eine schnelle und langanhaltende Reduktion depressiver Symptome. Analysten von Jefferies schätzen das jährliche Umsatzpotenzial für diesen Wirkstoff auf 1 bis 2 Milliarden US-Dollar.

Das Portfolio umfasst zudem VLS-01, einen DMT-Wirkstoff zur buccalen Anwendung, der sich derzeit in der Phase 2b befindet, sowie weitere Projekte wie den MDMA-basierten Kandidaten EMP-01. AtaiBeckley entstand erst im November 2025 aus der Fusion von atai Life Sciences und Beckley Psytech.

Strategische Einordnung und Abschluss der Transaktion

Für Eli Lilly markiert dieser Schritt bereits die achte Übernahme im Jahr 2026. Analyst Evan Seigerman von BMO betont, dass der Deal dem Konzern eine differenzierte Positionierung in der Psychiatrie ermöglicht und das Portfolio über das starke Adipositas-Geschäft hinaus erweitert. Das politische Umfeld in den USA gilt als unterstützend, da die Trump-Administration die Forschung an psychedelischen Behandlungen priorisiert. Eine entsprechende Executive Order aus dem April 2026 weist die FDA an, Zulassungsverfahren für Substanzen mit Breakthrough-Status zu beschleunigen.

Der Abschluss der Transaktion wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre und Regulierungsbehörden. Die Apeiron Investment Group des Gründers Christian Angermayer sowie weitere Führungskräfte, die zusammen etwa 15 Prozent der Stimmrechte halten, haben bereits zugestimmt, für den Verkauf zu votieren. Im Falle eines Scheiterns der Vereinbarung wurde eine Kündigungsgebühr in Höhe von 104,3 Millionen US-Dollar festgelegt.