Ein Kurssprung von über 70 Prozent, und trotzdem tritt die Atai Beckley Aktie auf der Stelle. Der Grund: Eli Lilly hat ein Übernahmeangebot vorgelegt, und der Markt preist es fast eins zu eins ein. Für Anleger verschiebt sich der Blick jetzt auf die Frage, was über die Barzahlung hinaus noch drin ist.

Konsolidierung auf Höhe des Übernahmepreises

Die Aktie schloss am Freitag bei 6,30 Euro, ein leichtes Minus von 0,79 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 71,20 Prozent zu Buche. Auslöser war die Ankündigung, dass Eli Lilly das Biotech-Unternehmen übernehmen will.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 7,85 Euro, erreicht kurz nach Bekanntwerden des Deals am 16. Juli, liegt der Kurs aktuell 19,75 Prozent entfernt. Der aktuelle Kurs nähert sich stattdessen dem garantierten Barbetrag der Übernahme an. Eli Lilly zahlt 6,75 US-Dollar je Aktie in bar, und dieser Fixpreis wirkt wie ein Deckel auf die Rally.

Die Milliarden-Chance der CVRs

Die reine Barkomponente bewertet Atai Beckley mit rund 2,8 Milliarden Dollar. Der Gesamtwert der Transaktion kann aber auf bis zu 3,8 Milliarden Dollar steigen. Der Unterschied steckt in den sogenannten Contingent Value Rights, kurz CVRs – zusätzlichen Zahlungsversprechen von bis zu 2,50 Dollar je Aktie.

Diese Zahlungen hängen an konkreten klinischen und regulatorischen Meilensteinen der beiden wichtigsten Wirkstoffkandidaten:

  • VLS-01: 1,00 Dollar je Aktie für den Start der Phase-3-Studien des DMT-Bukkalfilms, weitere 1,00 Dollar für die US-Zulassung samt Neueinstufung als Betäubungsmittel
  • BPL-003: 0,50 Dollar je Aktie für Zulassung und Neueinstufung der intranasalen 5-MeO-DMT-Formulierung gegen therapieresistente Depression

BPL-003 befindet sich bereits in Phase 3. Für VLS-01 werden die Topline-Daten aus Phase 2b im vierten Quartal 2026 erwartet.

Technisches Bild bleibt angespannt

Trotz des fundamentalen Bodens durch das Lilly-Angebot signalisieren die technischen Indikatoren Überhitzung. Der 14-Tage-RSI notiert bei 74,4 und deutet auf überkaufte Bedingungen hin. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4,26 Euro beträgt der Abstand satte 47,77 Prozent.

Die annualisierte Volatilität liegt bei 120,91 Prozent – ein Zeichen für die Nervosität rund um die Fusionsmeldung. Jefferies und H.C. Wainwright haben ihre Einstufungen zuletzt auf „Hold“ beziehungsweise „Neutral“ gesenkt. Beide Häuser verweisen auf begrenztes kurzfristiges Aufwärtspotenzial jenseits der 6,75-Dollar-Offerte und auf den spekulativen Charakter der CVR-Meilensteine.

Woche voraus: Fokus auf Merger-Arbitrage

In der kommenden Handelswoche dürfte die Aktie vor allem als Merger-Arbitrage-Wette gehandelt werden. Investoren achten auf Updates zur Aktionärsabstimmung und zu regulatorischen Einreichungen. Der Deal soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden, voraussichtlich im September.

Zusätzlich meldet das Unternehmen Mitte August seine Zahlen zum zweiten Quartal, geschätzt für den 13. August. Im Fokus steht dabei nicht die reine Finanzlage, sondern der Fortschritt des Phase-3-Programms ReConnection für BPL-003. Genau dieses Programm entscheidet darüber, ob die ersten CVR-Tranchen ausgezahlt werden.