Eli Lilly kauft Atai Beckley. Der Pharmakonzern zahlt für das Biotech-Unternehmen bis zu 9,25 Dollar je Aktie – und setzt damit ein deutliches Signal für eine ganze Wirkstoffklasse, die bislang als Nischenthema galt.

Die Übernahmevereinbarung vom 16. Juli 2026 sieht 6,75 Dollar in bar bei Vollzug vor. Hinzu kommen bedingte Zahlungsansprüche (CVR) von bis zu 2,50 Dollar je Aktie, sofern Atai Beckley bestimmte Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine erreicht. Allein die Barzahlung entspricht einem Eigenkapitalwert von rund 2,8 Milliarden Dollar.

Warum Lilly zugreift

Im Zentrum des Deals steht BPL-003, ein intranasal verabreichtes synthetisches 5-MeO-DMT. Die Substanz befindet sich in Vorbereitung auf Phase-3-Studien und trägt bereits die Breakthrough-Therapy-Designation der US-Arzneimittelbehörde FDA. In Phase-2b-Studien zeigte BPL-003 schnelle und anhaltende Verbesserungen bei Depressionssymptomen – die Wirkung hielt über Monate an, nach einer Klinikbehandlung von durchschnittlich zwei Stunden.

Das zweite Programm im Portfolio, VLS-01, ist eine bukkale Filmformulierung von DMT und läuft aktuell in einer Phase-2b-Studie. Beide Wirkstoffe sollen die synaptische Konnektivität wiederherstellen und neue neuronale Verbindungen fördern. Das unterscheidet sie grundlegend von klassischen Antidepressiva, die vor allem Neurotransmitter-Spiegel regulieren.

Für Lilly bedeutet die Übernahme einen direkten Einstieg in die Behandlung therapieresistenter Depression – ein Marktsegment, in dem herkömmliche Medikamente oft versagen. Der Konzern erweitert damit seine Neurowissenschafts-Pipeline um einen völlig neuen Wirkmechanismus.

Der Kurs nahm die Nachricht vorweg

Die Aktie schloss am Freitag bei 6,30 Euro. Innerhalb von 30 Tagen hat sich der Kurs damit um 77,97 Prozent nach oben bewegt – ein Anstieg, der bereits vor der offiziellen Bestätigung der Übernahme einsetzte. Der RSI von 76,1 signalisiert eine überkaufte Marktlage, was angesichts der bevorstehenden Übernahme wenig überrascht: Der Kurs orientiert sich inzwischen am Angebotspreis, nicht mehr an operativen Kennzahlen.

Der Deal soll im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden. Bis dahin dürfte sich der Aktienkurs weiter an den vereinbarten 6,75 Dollar je Aktie plus dem Wert der CVR-Komponente orientieren.