Nach der ersten Kursrallye kommt bei Atai Beckley jetzt die Ernüchterung. Die Aktie schloss am Dienstag bei 6,25 Euro, ein Minus von 1,57 Prozent. Anleger richten den Blick nun weg von der Übernahme-Euphorie und hin zur Frage: Wie viel ist der Rest-Deal wirklich wert?

Kartellbehörden prüfen die Übernahme

Der Kaufvertrag zwischen Eli Lilly und Atai Beckley hat die Ankündigungsphase verlassen. Jetzt prüfen internationale Wettbewerbsbehörden die Transaktion im Detail. Das deutsche Bundeskartellamt hat den Fall unter dem Aktenzeichen B3-85/26 zur Fusionskontrolle registriert. Für Übernahmen dieser Größenordnung im Biotech-Sektor ist das ein Standardverfahren.

Im Zentrum der Übernahme steht BPL-003, ein synthetisches intranasales 5-MeO-DMT-Präparat. Der Wirkstoffkandidat befindet sich in Phase 3 der Entwicklung gegen therapieresistente Depression. Eli Lilly sichert sich damit Zugang zu einer Pipeline schnell wirkender Neuroplastogene. In diesem Bereich hat sich Atai Beckley klinisch eine Führungsposition erarbeitet.

Die Rechnung hinter dem Kurs

Analysten beziffern das verbleibende Kurspotenzial auf etwa 33 Prozent. Grundlage ist die Deal-Struktur: Eli Lilly zahlt 6,75 US-Dollar je Aktie in bar, hinzu kommen bis zu 2,50 US-Dollar in Form von Contingent Value Rights (CVRs). Diese CVRs sind an klinische und regulatorische Meilensteine gebunden.

Der aktuelle Kurs von 6,25 Euro liegt nahe am garantierten Barangebot. Der Markt preist also im Wesentlichen die sichere Cash-Komponente ein. Die CVRs behandeln Investoren dagegen als spekulativen Aufschlag. Sie wetten darauf, dass BPL-003 und der zweite Kandidat VLS-01, ein bukkaler DMT-Film, die nötigen Entwicklungsziele erreichen.

Überhitzte Signale, ruhiger Trend

Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen um 32,42 Prozent zugelegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 7,85 Euro aus Mitte Juli fehlen dennoch gut 20 Prozent. Diese Lücke spiegelt eine Verschnaufpause wider, während der Markt den langen Zeitplan bis zum Deal-Abschluss verdaut.

Die technischen Signale mahnen kurzfristig zur Vorsicht. Der RSI steht bei 72,6 Punkten und signalisiert eine überkaufte Aktie. Zusammen mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von gut 120 Prozent spricht das für anhaltende Schwankungen um die 6,25-Euro-Marke.

Der Übernahmeabschluss wird für später in diesem Jahr erwartet. Bis dahin dürfte sich der Kurs vor allem an neuen regulatorischen oder klinischen Meldungen orientieren, die den Wert der Meilenstein-Zahlungen greifbarer machen.