Autonome Agenten überall — SAP, ServiceNow und Adobe definieren Enterprise-KI neu

SAP, ServiceNow und Adobe präsentieren KI-Plattformen für autonome Geschäftsprozesse. Infineon profitiert von Patentsieg und Prognoseanhebung.

SAP Aktie
Kurz & knapp:
  • SAP plant über 200 KI-Agenten
  • ServiceNow zielt auf 30 Milliarden Umsatz
  • Adobe setzt auf offene KI-Partnerschaften
  • Infineon erreicht neues Jahreshoch

Drei der einflussreichsten Softwarekonzerne der Welt haben innerhalb weniger Wochen ihre Visionen für die autonome Unternehmenssteuerung vorgestellt. SAP setzt auf über 200 KI-Agenten in Kernprozessen, ServiceNow will ganze IT-Abteilungen automatisieren, Adobe bringt agentenbasierte Workflows in die Marketingwelt. Gleichzeitig liefert Infineon mit einem Patentsieg und angehobener Prognose die Hardware-Seite der KI-Story — und SoftBank untermauert seinen Anspruch als größter Investor des gesamten KI-Ökosystems mit Rekordzahlen.

SAP: Das autonome Unternehmen wird konkret

Auf der Sapphire 2026 in Orlando hat SAP diese Woche ein Konzept vorgestellt, das die bisherige KI-Strategie des Konzerns in eine neue Dimension hebt: das „Autonomous Enterprise“. Im Kern steht eine einheitliche KI-Plattform, die mehr als 50 spezialisierte Joule-Assistenten über Finanzwesen, Lieferkette, Beschaffung, Personalmanagement und Kundenerlebnis hinweg orchestriert. Hinter diesen Assistenten arbeiten über 200 spezialisierte Agenten, die durchgängige Geschäftsprozesse eigenständig ausführen sollen.

Ein greifbares Beispiel: Der neue „Autonomous Close Assistant“ soll den Finanzabschluss von Wochen auf Tage komprimieren — durch automatisierte Buchungen, Abstimmungen und Fehlerbehebung. SAP unterfüttert die Offensive mit einem 100 Millionen Euro schweren Fonds zur Beschleunigung der Kundenadoption.

Parallel vertieft SAP die Allianz mit Palantir. Die erweiterte Partnerschaft zielt auf die komplexesten Datenmigrations-Szenarien ab und soll Unternehmen den Sprung von der Legacy-Plattform in die Cloud erleichtern. Palantir AIP für Datenmigrationen ist bereits als SAP Endorsed App verfügbar; die vollständige SAP Solution Extension soll im dritten Quartal 2026 folgen.

Die Börse honoriert die Produktoffensive bislang nicht. SAP notiert bei 139,44 Euro und hat damit seit Jahresanfang rund 31 Prozent verloren. Analysten an der Wall Street halten ein Konsens-Kursziel von 288 US-Dollar aufrecht — mit Kaufempfehlung. Die Kluft zwischen Produktambition und Marktvertrauen bleibt enorm.

SoftBank: Rekordgewinn, Graphcore-Wette und IPO-Fantasie

SoftBank hat für das am 31. März 2026 beendete Geschäftsjahr Zahlen vorgelegt, die selbst für Masayoshi Sons Verhältnisse außergewöhnlich ausfallen. Der konsolidierte Nettoumsatz stieg um knapp 8 Prozent auf 7,79 Billionen Yen. Der Nettogewinn explodierte um 334 Prozent auf 5 Billionen Yen — getrieben vor allem durch die OpenAI-Beteiligung, deren Buchwert von kumulierten Investitionen über 34,6 Milliarden US-Dollar auf einen Marktwert von 79,6 Milliarden US-Dollar gestiegen ist.

Parallel treibt SoftBank den Ausbau seiner KI-Infrastruktur voran. Am Dienstag wurde eine Investition von 457 Millionen US-Dollar in den britischen KI-Chipentwickler Graphcore bestätigt. Der Betrag dürfte nur ein Teil der geplanten Gesamtfinanzierung für Graphcore in diesem Jahr sein.

Weniger als zwei Wochen zuvor war zudem bekanntgeworden, dass SoftBank einen US-Börsengang im Volumen von 100 Milliarden US-Dollar für ein neues KI- und Robotik-Startup namens Roze anpeilt. Der potenzielle IPO könnte noch in diesem Jahr stattfinden.

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  • OpenAI-Beteiligung: Buchwert auf 79,6 Milliarden US-Dollar gestiegen
  • Graphcore-Investment: 457 Millionen US-Dollar als strategische Akquisition
  • Roze-IPO: Zielvolumen von 100 Milliarden US-Dollar für KI- und Robotik-Ausgründung
  • Margin-Loan-Reduktion: Geplante Kreditlinie auf OpenAI-Basis von 10 auf rund 6 Milliarden US-Dollar gesenkt

Die Aktie gab vor der Bilanzveröffentlichung am 11. Mai deutlich nach — ein Rückgang von über 10 Prozent auf 5.743 Yen. Das KGV von 11,5 liegt unter dem Sektordurchschnitt. Die Ergebnispräsentation heute wird zeigen, ob die Rekordgewinne eine überzeugende Brücke zwischen Euphorie und Bewertungsrealität schlagen können.

Infineon: Patentsieg und Prognoseanhebung treiben Aktie auf Jahreshoch

Infineon markiert heute ein neues 52-Wochen-Hoch bei 62,56 Euro — ein Tagesplus von rund 6 Prozent. Seit Jahresanfang hat sich die Aktie um über 63 Prozent verteuert. Zwei Katalysatoren treiben den Kurs.

Erstens: Die US International Trade Commission hat im Mai ihr finales Urteil im Patentstreit um Galliumnitrid-Technologie (GaN) gegen den chinesischen Wettbewerber Innoscience gefällt und Import- sowie Verkaufsverbote für die betroffenen Produkte in den USA angeordnet. Infineon hält rund 450 GaN-Patentfamilien und bezeichnet sein Portfolio als das breiteste der Branche. Innoscience bestreitet die praktische Relevanz des Urteils und verweist darauf, dass nur zwei Ansprüche eines einzelnen Patents betroffen seien. Das Parallelverfahren in München läuft weiter.

Zweitens: Infineon hat die Jahresprognose deutlich angehoben. Das Ziel für den freien Cashflow steigt von 1,4 auf 1,65 Milliarden Euro, die Segment-Ergebnismarge wird nun bei rund 20 Prozent erwartet statt im hohen Zehn-Prozent-Bereich zuvor. Der Jahresumsatz soll die Marke von 16 Milliarden Euro überschreiten. Im zweiten Quartal lag der Umsatz bei 3,81 Milliarden Euro — ein Plus von 6 Prozent im Jahresvergleich.

Die Analystengemeinde reagiert geschlossen positiv. Goldman Sachs und Jefferies heben ihre Kursziele auf 75 Euro, JPMorgan auf 74 Euro. Von 24 Analysten empfehlen 20 den Kauf, keiner den Verkauf. Infineon bleibt die klarste KI-Hardware-Story unter den europäischen Halbleiterwerten.

ServiceNow: Autonome Arbeitskräfte und ambitionierte Umsatzziele

Auf der Knowledge 2026 hat ServiceNow seine Plattform grundlegend aufgefrischt. Im Zentrum stehen der AI Control Tower, die „Autonomous Workforce“ und ein neues KI-Interface namens Otto. Die Plattform positioniert sich damit als zentrale Orchestrierungsschicht für gesteuerte, autonome Arbeitsprozesse im Unternehmen.

Die neuen KI-Spezialisten sollen nicht nur menschliche Mitarbeiter unterstützen, sondern vollständige Geschäftsprozesse eigenständig abschließen — von IT-Betrieb über Kundenservice bis hin zu Recht und Beschaffung. Erste interne Tests liefern beeindruckende Zahlen: ServiceNows eigener KI-Spezialist löst IT-Service-Desk-Fälle 99 Prozent schneller als menschliche Agenten. Docusign peilt eine autonome Lösung von 90 Prozent aller IT-Tickets an.

Am Analysten-Tag Anfang Mai hat das Management ein Ziel von 30 Milliarden US-Dollar Abonnementumsatz bis 2030 ausgegeben. Rund 30 Prozent des jährlichen Vertragsvolumens soll dann aus Now Assist stammen, dem Flaggschiff-KI-Produkt.

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Die Aktie steht dennoch unter Druck. Nach den Q1-Zahlen 2026 fiel der Kurs um rund 18 Prozent, mehrere Analysten senkten ihre Kursziele. Bernstein hielt dagegen und erhöhte das Ziel auf 236 US-Dollar bei einer Outperform-Einstufung. Die Kluft zwischen langfristiger Vision und kurzfristiger Bewertung erinnert stark an die Situation bei SAP — mit dem Unterschied, dass ServiceNows Umsatzwachstum von über 20 Prozent im Jahr 2025 ein solideres Fundament bietet.

Adobe: Agentenbasiertes Marketing gegen wachsende Konkurrenz

Adobe hat auf dem Summit im April mit CX Enterprise eine agentenbasierte KI-Plattform vorgestellt, die den gesamten Kundenlebenszyklus abdecken soll — von der Akquise über Engagement bis zur langfristigen Kundenbindung. GenStudio wurde um eine durchgängige Content-Supply-Chain erweitert, die Markenintelligenz und KI-Agenten über Planung, Erstellung, Auslieferung und Reporting hinweg verbindet.

Das Partnernetzwerk ist breit aufgestellt: AWS, Anthropic, Google Cloud, IBM, Microsoft, Nvidia und OpenAI sind als Interoperabilitätspartner eingebunden. Adobe setzt damit auf maximale Offenheit bei der Agenten-Orchestrierung — ein Kontrastprogramm zu geschlosseneren Ansätzen.

Finanziell bleibt der Druck hoch. Adobe erwartet für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz zwischen 25,9 und 26,1 Milliarden US-Dollar bei zweistelligem ARR-Wachstum. Die Aktie notiert bei 204,50 Euro und hat seit Jahresanfang rund 28 Prozent verloren. 24 Analysten vergeben im Konsens ein „Hold“-Rating mit einem durchschnittlichen Kursziel von 347 US-Dollar. Die Sorge vor Margenerosion durch günstigere KI-Tools von Wettbewerbern lastet auf der Bewertung.

Zwei Geschwindigkeiten im KI-Sektor

Die Woche offenbart eine klare Zweiteilung. Auf der Hardware-Seite liefert Infineon mit angehobener Prognose, Patentschutz und breitem Analysten-Konsens die überzeugendste Kursentwicklung. Die Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren und Elektromobilität gibt dem Geschäftsmodell eine doppelte Absicherung.

Auf der Softwareseite teilen SAP, ServiceNow und Adobe die gleiche Überzeugung: Enterprise-KI muss gesteuert, kontextbezogen und in bestehende Workflows eingebettet sein. Alle drei kämpfen aber mit einer Börse, die Produktvisionen allein nicht mehr ausreichend honoriert. SAP und Adobe stehen seit Jahresanfang jeweils rund 30 Prozent tiefer, ServiceNow verlor nach den Quartalszahlen deutlich.

SoftBank operiert auf einer anderen Ebene — weniger Softwareunternehmen als gehebelter Einsatz auf das gesamte KI-Ökosystem. Die Kombination aus OpenAI-Bewertungsgewinnen, Graphcore-Investition und Roze-IPO-Fantasie macht den Konzern zum volatilsten, aber auch am breitesten aufgestellten Spieler der Gruppe.

Autonomie als Versprechen — Bewertung als Prüfstein

Die parallelen Plattformoffensiven von SAP, ServiceNow und Adobe markieren einen Wendepunkt in der Enterprise-Software: Die Frage lautet nicht mehr, ob KI-Agenten in Geschäftsprozesse einziehen, sondern wer die Steuerung und Monetarisierung kontrolliert. Infineon profitiert als Zulieferer der physischen Infrastruktur bereits messbar. SoftBanks heutige Ergebnispräsentation wird den nächsten Datenpunkt für die Bewertungsfrage liefern.

Für SAP setzen die Sapphire-Ankündigungen die Agenda für das zweite Halbjahr 2026. Die Lücke zwischen einem Konsens-Kursziel von 288 US-Dollar und dem aktuellen Kurs zeigt, wie viel Vertrauen die Börse noch zurückgewinnen muss. Produktlancierungen allein werden diese Kluft nicht schließen — die kommenden Quartale müssen zeigen, ob autonome Agenten auch autonomen Umsatz generieren.

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