Übernahmespekulationen treiben derzeit die Evonik-Aktie an – und BASF steht mittendrin. Medienberichte, die sich auf den Nachrichtendienst Dealreporter berufen, wollen wissen, dass BASF in diesem Jahr Gespräche mit Evonik über eine mögliche Transaktion geführt haben soll. Auch der auf Fusionen spezialisierte Informationsdienst Mergermarket habe entsprechende Gerüchte aufgegriffen.

Offiziell bestätigt ist davon nichts. Ein BASF-Sprecher verwies auf Anfrage lediglich darauf, dass man grundsätzlich keine Marktgerüchte kommentiere. Auch Evonik lehnte eine Stellungnahme ab.

Warum ein Deal überhaupt im Raum steht

Ein Blick auf die Eigentümerstruktur von Evonik liefert einen möglichen Erklärungsansatz für die Spekulationen. Die Essener RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent der Anteile, plant aber, ihre Beteiligung langfristig auf 25,1 Prozent zu senken. Die Stiftung will damit ihre Abhängigkeit von der Chemiebranche reduzieren – ein Umstand, der grundsätzlich Raum für neue Aktionärsstrukturen schafft.

Die US-Bank JPMorgan hält eine Übernahme dennoch für eher unwahrscheinlich. Analyst Chetan Udeshi sieht für BASF bessere Alternativen am Markt und stellt zudem infrage, ob sich die Ludwigshafener in der aktuell schwierigen Branchenphase überhaupt einen teuren Zukauf leisten wollen. Für beide Chemiewerte bleibt er skeptisch und stuft sowohl BASF als auch Evonik mit „Underweight“ ein.

Hintergrund seiner Zurückhaltung: Udeshi geht davon aus, dass die aktuelle Sonderkonjunktur in der Chemiebranche, die durch den Krieg im Nahen Osten befeuert wurde, allmählich nachlassen dürfte. Diese Einschätzung dürfte auch die BASF-Perspektive auf einen möglichen Zukauf prägen – in einer Phase nachlassender Sonderfaktoren wiegt ein milliardenschweres Übernahmevorhaben schwerer.

Für den Moment bleibt es bei Spekulationen ohne offizielle Bestätigung durch die beteiligten Unternehmen. Ob und in welcher Form sich BASF und Evonik tatsächlich näherkommen, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die RAG-Stiftung bei ihrem geplanten Rückzug positioniert.