Ein Korb voll Chemie, ein abgelehntes Angebot, und die Frage, wie teuer BASF seinen Expansionsdrang noch treiben will. Der Ludwigshafener Konzern ist mit seinem Vorstoß bei Evonik zunächst gescheitert — offizielle Gespräche gibt es vorerst nicht.
Evonik winkt ab
BASF soll rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten haben, was einem Gesamtvolumen von etwa 10,3 Milliarden Euro entspräche. Gegenüber dem Schlusskurs vor Bekanntwerden der Übernahmefantasie wäre das ein Aufschlag von knapp 29 Prozent gewesen. Evonik reichte das nicht — der Preis liege aus Sicht des Essener Unternehmens zu niedrig, weshalb BASF bislang auch keinen Einblick in die Bücher erhält.
Offiziell bestätigt hatte Evonik am Freitag lediglich eine „unverbindliche Ansprache“ von BASF, gerichtet auf ein mögliches freiwilliges Übernahmeangebot für sämtliche Aktien. Von konkreten Verhandlungen ist demnach weiterhin keine Rede. Die Evonik-Aktie hatte seit dem ersten Bericht über das Interesse bereits kräftig zugelegt, zuletzt auf knapp 19,84 Euro.
Strategisches Kalkül dahinter
Für BASF geht es um mehr als nur Größe. Ein Zukauf bei Evonik würde das Spezialchemiegeschäft stärken und den regionalen Fußabdruck erweitern — auch als Antwort auf wachsenden Wettbewerbsdruck aus China. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 45 Milliarden Euro wäre BASF finanziell durchaus in der Lage, ein höheres Gebot vorzulegen.
Offen bleibt die Haltung der RAG-Stiftung, die als Großaktionärin rund 44 Prozent an Evonik hält und ihren Anteil eigentlich auf etwa 25 Prozent reduzieren wollte. Ohne ihre Zustimmung dürfte eine Übernahme kaum gelingen. Analysten verweisen zudem darauf, dass Finanzierung und Synergieeffekte einer möglichen Transaktion noch ungeklärt sind.
Ob BASF nachlegt, ist damit die zentrale Frage der kommenden Tage. Ein höheres Angebot wäre finanziell machbar, doch in einem von Überkapazitäten geprägten Chemiemarkt bleibt fraglich, ob sich ein Aufschlag jenseits der bereits gebotenen 22,15 Euro tatsächlich rechnet.
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