Der weltgrößte Chemiekonzern BASF greift nach dem Essener Konkurrenten Evonik. Die Ludwigshafener haben dem Spezialchemiehersteller und dessen Großaktionär einen Zusammenschluss vorgeschlagen, um das eigene Portfolio zu verbreitern und im globalen Wettbewerb gegen chinesische Anbieter zu bestehen. An den Finanzmärkten sorgte der Vorstoß für gegensätzliche Reaktionen. Während die Papiere von Evonik zeitweise um elf Prozent nach oben kletterten, gaben die Aktien von BASF um mehr als drei Prozent nach.

Strategische Neuaufstellung im Gegenwind

Hinter dem geplanten Vorstoß steht der Versuch, das Geschäft mit margenstärkeren Spezialchemikalien gezielt auszubauen. Die Branche leidet spürbar unter anziehenden Energiekosten infolge des Konflikts im Nahen Osten. BASF verhandelt deshalb bereits seit Jahresbeginn mit Banken über eine mögliche Transaktion.

Gemeinsam kamen beide Konzerne zuletzt auf einen Jahresumsatz von 74 Milliarden Euro. Neben einer größeren Präsenz auf den Schlüsselmärkten in den USA und Asien verspricht sich das Ludwigshafener Management vor allem an den deutschen Standorten Einsparungen durch den Abbau von Doppelstrukturen.

Die Schlüsselrolle der RAG-Stiftung

Einfach wird das Vorhaben nicht. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 8,4 Milliarden Euro beläuft sich der Unternehmenswert von Evonik inklusive der Nettoverschuldung auf etwa zwölf Milliarden Euro. BASF selbst bringt eine Bewertung von 47 Milliarden Euro auf die Waage.

Über das Gelingen des Deals entscheidet vor allem die RAG-Stiftung, deren Anteil an Evonik zwischen 43 und 44 Prozent liegt. Ohne die Zustimmung dieses Ankeraktionärs hat eine Übernahme keine Aussicht auf Erfolg. Neben einer angemessenen Prämie auf den Aktienkurs muss BASF die Stiftung und die Essener Konzernführung von den Vorteilen des Zusammenschlusses überzeugen.

Allerdings birgt die Zusammenführung beider Konzerne erhebliche Hürden. Neben einer genauen Prüfung durch die Wettbewerbsbehörden steckt BASF gegenwärtig selbst in einer tiefgreifenden Restrukturierung. Der geplante Verkauf der Mehrheit am Lackgeschäft sowie der anvisierte Börsengang der Agrarsparte sollen die nötigen Mittel einspielen, um die Übernahme finanziell abzusichern.