Der weltgrößte Chemiekonzern BASF fasst eine Übernahme des Spezialchemieherstellers Evonik ins Auge. Die Essener bestätigten am Freitag eine unverbindliche Vorab-Ansprache aus Ludwigshafen für ein freiwilliges öffentliches Angebot sämtlicher Aktien. Die Börse reagierte umgehend mit einer zweigeteilten Bewegung: Während Evonik-Papiere zeitweise um mehr als neun Prozent nach oben schossen, gaben BASF-Titel um gut zwei Prozent nach.

Mehr Schlagkraft im globalen Wettbewerb

Hinter dem Vorstoß steht das Streben nach schierer Größe. Zusammen kämen beide Konzerne auf einen Jahresumsatz von rund 74 Milliarden Euro. Ein solcher Zusammenschluss soll vor allem die Produktpalette verbreitern und den europäischen Branchenprimus gegenüber staatlich gestützten Rivalen aus China stärken.

Für BASF wäre die Akquisition ein Kraftakt. Evonik bringt an der Börse einen Marktwert von mehr als acht Milliarden Euro auf die Waage. Zählt man die Nettoschulden hinzu, liegt der Unternehmenswert sogar bei rund zwölf Milliarden Euro.

Beide Konzerne kämpfen seit geraumer Zeit mit hohen Energiekosten infolge geopolitischer Konflikte. Vor diesem Hintergrund treiben beide Seiten harte Sparprogramme voran. BASF strich von Januar 2024 bis Mitte 2026 weltweit rund 7.000 Stellen und trennte sich von Unternehmensteilen wie dem Autolackgeschäft. Parallel dazu bereitet das Management den Börsengang der Agrarsparte vor.

Evonik wiederum verordnet sich ebenfalls einen rigiden Schrumpfkurs. Bis Ende 2029 sollen 3.200 Arbeitsplätze wegfallen, davon der Großteil in Deutschland. Das Unternehmen stößt margenschwache Massenchemikalien ab und beendete jüngst das unrentable Polyester-Geschäft mit 150 Millionen Euro Jahresumsatz.

Die Schlüsselrolle der RAG-Stiftung

Ob aus der Vorab-Sondierung ein bindender Zusammenschluss wird, entscheidet sich maßgeblich im Ruhrgebiet. Der größte Hebel liegt bei der RAG-Stiftung. Sie kontrolliert 43 Prozent der Evonik-Anteile und gilt als eigentlicher Zünglein an der Waage. Ohne ihre Zustimmung hat ein Kontrollwechsel keine Chance.

Der Weg zu einer Einigung bleibt steinig. Evonik betonte nach der Kontaktaufnahme ausdrücklich, dass derzeit keine konkreten Gespräche zwischen den beiden Konzernen stattfinden. Die Ludwigshafener haben ihren Pflock eingeschlagen, die offizielle Reaktion der Essener Großaktionärin steht vorerst aus.