Der Leverkusener Konzern kämpft aktuell an zwei Baustellen gleichzeitig. In den USA ordnet Bayer seine gewaltigen Glyphosat-Klagen neu. Parallel dazu drohen im deutschen Heimatmarkt drastische Einschnitte für die Pharmasparte. Die juristische Gemengelage spitzt sich zu.

Milliarden-Vergleich in den USA

Bayer will die Bündelung von rund 4.000 Bundesklagen aufbrechen. Das Management hat diesen Schritt am Mittwoch vor einem US-Richter beantragt. Das Ziel: Einzelverfahren statt unkalkulierbarer Sammelklagen.

Zeitgleich treibt der Konzern einen umfassenden Vergleich voran. Es geht um etwa 60.000 laufende Verfahren auf Bundesstaatenebene. Das Volumen beläuft sich auf 7,25 Milliarden US-Dollar. Die erste gerichtliche Anhörung zur Fairness dieses Vorschlags findet genau heute statt.

Die Experten der Bank Berenberg bewerten diese Strategie positiv. Sie sehen darin den möglichen Auftakt für eine Aufspaltung. Fällt das Klagerisiko weg, könnte Bayer seine Agrarsparte teilweise an die Börse bringen.

Politischer Widerstand in Berlin

Währenddessen braut sich in Deutschland Ärger für das Pharmageschäft zusammen. Die Bundesregierung will am morgigen Freitag das GKV-Spargesetz verabschieden. Es bringt der Industrie neue Preisdeckel und harte Rabatte.

Mehrere Oppositionsparteien wehren sich nun juristisch gegen den engen Zeitplan. Sie haben Eilanträge beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Die Kläger wollen die Abstimmung im Bundestag kurzfristig stoppen. Karlsruhe entscheidet damit indirekt über die künftigen Erträge von Bayers Pharmasparte.

Heiße Phase für die Aktie

Am Finanzmarkt reagieren Investoren auf diese Nachrichtenlage nervös. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 50,44 Euro. Trotz des schwierigen Marktumfelds verzeichnet das Papier auf Sicht von zwölf Monaten ein massives Plus von 84 Prozent.

Auch auf Monatssicht steht ein Gewinn von knapp 43 Prozent zu Buche. Ein technisches Detail mahnt jedoch zur Vorsicht. Der RSI-Wert von rund 73 signalisiert eine stark überkaufte Situation. Obendrein belegt die hohe Volatilität von fast 65 Prozent die Anspannung der Händler.

Der rechtliche Fahrplan gibt nun den Takt vor. Am 19. August steht in den USA die endgültige Anhörung zum Milliardenvergleich an. Ein positives Urteil würde eine der größten Unsicherheiten für den Konzern beseitigen. Gelingt dieser Schritt, rückt eine mögliche Konzernaufspaltung in den Mittelpunkt.